Des Pudels Kern

Fulminante Fledermaus in Kassel

Mit Begeisterung nahm das Kasseler Publikum im voll besetzten Opernhaus die Neuinszenierung von Johann Strauss’ Operette „Die Fledermaus“ auf, die am Samstag Premiere feierte. Schon nach den ersten Takten der grandiosen Ouvertüre ahnte man: Bei dieser „Fledermaus“ stimmt alles.

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Hulkar Sabirova als Rosalinde und Marian Pop als Gabriel von Eisenstein (Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel)

Hulkar Sabirova als Rosalinde und Marian Pop als Gabriel von Eisenstein (Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel)

Generalmusikdirektor Patrik Ringborg führte das Kasseler Orchester souverän, präzise und beschwingt zu Höchstleistungen, während auf der Bühne die Vorgeschichte der Operette pantomimisch dargestellt wurde. Durch die Beleuchtung wurde der Effekt eines Scherenschnitts im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts erreicht, umschlossen von einem weißen Bilderrahmen, der während des ganzen Abends das Bühnenportal umfasste.

Schon hier glänzten neben Ringborg und dem Kasseler Orchester die Studenten der Tanzschule SOZO visions in motion, die der Operette mit ihren Tanzeinlagen immer wieder besondere Akzente verliehen. Auch der Witz und der Schwung, von denen diese gelungene Inszenierung Volker Schmalöers geprägt ist, wurden hier bereits deutlich. Mit drei echten weißen Pudeln hatte auch das zentrale Symbol der Dekadenz dieser Operettengesellschaft seinen ersten Auftritt.

Im ersten Akt prägte es dann auch das Bühnenbild als Umriss eines pudelförmigen Fensters in der tapezierten Wand von Eisensteins Salon. Von hier nahm das turbulente Intrigenspiel der Operette Fahrt auf. Die oft stark stilisierte aber immer lebendige Personenführung bot reichlich Ansätze für persönliche Assoziationen und intensivierte so das Theatererlebnis. Diese betonte Künstlichkeit setzte sich im ebenso intelligenten wie wirkungsvollen Bühnenbild von Lars Peter und in den opulenten Kostümen von Andreas Janczyk fort, sodass das Kasseler Publikum an diesem Abend eine gelungene Vereinigung der einzelnen Theaterabteilungen zu einem wirklichen Gesamtkunstwerk erleben konnte.

Einen entscheidenden Anteil daran hatten natürlich die durchweg hervorragenden Sängerinnen und Sänger, die auch mit ihren schauspielerischen Leistungen zu glänzen wussten. Marian Pop als Gabriel von Eisenstein war ein geschmeidiger Tenor und überzeugender Lebemann, Hulkar Sabirova begeisterte als stimmlich und musikalisch starke und stets präsente Rosalinde. LinLin Fan war eine hinreißende Adele und erntete für ihre in allen Belangen gelungene Interpretation viel Applaus. Bassem Alkhouri überzeugte als Tenor Alfred.

Im zweiten Akt, der von einer überdimensionalen Pudelfigur in Orlofskys Salon geprägt wurde, gab Maren Engelhardt einen äußerst beeindruckenden Orlofsky, der seine Festgesellschaft wie ein Dompteur beherrschte. Hansung Yoo führte als Dr. Falke mit feiner Präsenz das Intrigenspiel, Tomasz Wija verlieh dem Gefängnisdirektor Frank einen klangschönen Bass. Jürgen Appel als Notar Dr. Blind und Sabine Roppel als Ida ließen ihre Figuren mit ebenso musikalisch wie schauspielerisch hervorragenden Leistungen lebendig werden.

Im dritten Akt schließlich kam der große Auftritt von Bernhard Modes als Gefängniswärter Frosch. Er legte die Figur als Kasseläner Schlacke an, die den aus Schweden stammenden Ringborg mit „alter Schwede“ titulierte und erntete dafür ebenso viel Applaus wie für das eingelegte Wiener Lied „Das Glück ist a Vogerl“.

Vor Beginn der Vorstellung demonstrierten Mitglieder des Orchesters aus Solidarität für die Einhaltung der tarifvertraglich festgelegten Lohnerhöhungen, die im Gegensatz zu Kassel an vielen anderen deutschen Häusern noch nicht umgesetzt wurden. Im Anschluss demonstrierten sie dann gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Kasseler Ensembles mit einem fulminanten Operettenabend, welch unbezahlbare Bereicherung gute Künstler für das geistige Leben einer Stadt zu bieten haben. An diesem Abend dankte das Kasssler Publikum allen Beteiligten mit frenetischem Applaus.

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