Alles immer möglich

Stefan Jürgens macht immer – was er will

Dieser Tage erscheint das neue Album von Stefan Jürgens, bekannt aus Presse, Funk und Fernsehen. „Alles immer möglich“ (Heart of Berlin) betitelt, entfaltet das gestandene Multitalent einen Reigen lockerer Songs, der zuversichtlich stimmt – auch in Anbetracht des Potenzials, das deutschsprachiger Pop-Songwriter-Schlager zu leisten imstande ist, so selbstbewusste Interpreten vors Mikro treten. Ein rundum gelungenes Album, das diverse Holprigkeiten scheinbar bewusst mit ins Feld führt. Leider scheinen Jürgens‘ vielfältige TV-Aktivitäten einer anständigen musikalischen Club-Tour im Wege zu stehen.

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Alles immer möglich: Stefan Jürgens (stefanjuegens.com)

Alles immer möglich: Stefan Jürgens (stefanjuegens.com)

Der Opener „Unsere Zeit“ trifft sofort ins Schwarze. Eingängig, relaxed, nachdenklich gut gelaunt. Doch danach? Danach bedarf es einiger Durchläufe, um „Alles immer möglich“ wertschätzen zu können. Beim Durchblättern des Booklets (tolle Bilder von Tine Acke) stoßen die a prima vista recht rumpeligen Zeilen übel auf: „Glaubst du denn die Welt steht still / dass ich schon weiss was ich morgen will / kein einziges Jahr könn‘ wir voraussehen‘ / durch diese Tür muss‘ ich jetzt gehen‘“ oder „Regenmacher haben‘ ein schweres Los / werden nirgendwo gebraucht / Regenmacher machen Regen bloß / und alles schwerer mach’n sie auch“.

Doch diese Unbeholfenheit wird vom Arrangement aufgehoben … es ist Stefan Jürgens anzumerken, dass er sich auf seine Band verlässt – und verlassen kann. So wird aus einem Schauspieler, der es aus Leidenschaft mal versucht, wie so viele Kollegen seiner Zunft, es auch mal mit der Singerei zu versuchen, ein glaubwürdiger Vertreter einer leichten Muse, die ihr Ziel nicht verfehlt.

An „Immer alles möglich“ gibt es nichts auszusetzen, außer vielleicht, dass Stefan Jürgens sich noch mehr zutrauen sollte: noch griffigere Texte, eine entschieden rauere Produktion – und weniger Kalkül.
Nicht wahr, Herr Jürgens, das wollen Sie doch auch?!

Neben dem Intro („Unsere Zeit“), das vor allem musikalisch überzeugt, stechen die Ballade „Nur ein Mensch“ (Fendrich-Qualität!) und das erfrischend ernsthaft unprätentiöse „Sie“ hervor. „Sie“ könnte für das zukünftige Schaffen Jürgens‘ eine Wegmarke sein. Weg vom Pomp des Gewöhnlichen, hin zur genauen Beobachtung und zum sozialpolitischen Appell. Ein Sänger (Schauspieler …) auf dem Weg, es bleibt spannend. Schönes Album.

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