Herr B. sieht fern

Scripted Reality (Teil 4) – Letzter Drehtag

„Ich habe dich im Fernsehen gesehen.“ „Ach du warst das.“ Ich selbst hatte mich nicht gesehen, weil die Produktion mich nicht, wie eigentlich angekündigt, benachrichtigt hatte. Ich holte das dann im Internet nach und ertrug eine ganze Episode Scripted Reality. Was meinen eigenen Auftritt betrifft, war ich in erster Linie froh, dass der Cutter den gestrandeten Wal herausgeschnitten hatte.

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Keine Krimikarriere für Herrn B. Foto: Mick Baltes

Keine Krimikarriere für Herrn B. Foto: Mick Baltes

Irgendwie war das schon klar, aber man weiß ja nie. Und wie heißt es doch so schön: Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Wahrscheinlich hat es mein mühevoller Versuch mit Handschellen auf dem Rücken wieder auf die Beine zu kommen, auf irgendeine B-Roll geschafft und die Leute beim Sender lachen sich darüber schlapp.

Ansonsten fragte ich mich, verwundert, warum das Format eine so gute Quote hat. Ich fand das Ergebnis einfach nur langweilig und sehr öde. Das Einzige, das man der Sendung zugute halten konnte, war die unfreiwillige Komik, die hier und da aufblitzte.

Meine Fernsehkarriere geriet dann ziemlich schnell ins Stocken. Ich bekam ein weiteres Angebot. Da sollte ich aber nur im Hintergrund rumstehen. Es war ein Aussendreh. Es war Winter. Es war schweinekalt. Also lehnte ich ab.

Ein paar Monate später hatte ich dann meinen zweiten Auftritt. In der Geschichte sucht ein junger Mann den verschollenen Vater seiner Braut, weil diese sich wünscht, von ihrem Vater zum Altar geführt zu werden. Der junge Mann besucht einen ehemaligen Arbeitsplatz seines zukünftigen Schwiegervaters und erhält von einem Fernfahrer (ich) den entscheidenden Hinweis.

Alles wie gehabt. Ich stellte mir ein schönes Fernfahrerklischeekostüm zusammen, so dass alle Beteiligten mich stets mit „Ah, du bist sicher der Fernfahrer“ begrüßten. Das Warten fiel diesmal erfreulich kurz aus. Am Set fragte mich die Regisseurin, ob ich das Spider-Man Kostüm dabei hätte. Ich antwortete „Spider-Man?… Ich dachte Superman“ und ließ dem eine Reiß-das-Hemd-auf-und-Flieg-davon Geste folgen. Sie lächelte. Die Chemie stimmte. Es wurden zwei recht entspannte Stunden. Weniger entspannt war es allerdings für den jungen Mann, der die Hauptrolle zu spielen hatte. Ein netter Kerl, aber er schien zuweilen ein wenig überfordert zu sein. Ich glaube, er hatte sich das alles einfacher vorgestellt.

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Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.