Young Glass Samantha Beach

Vorfreude auf den heißen Scheiß von 2014

Das Musikjahr 2014 wirft seine Schatten voraus, denn – es stehen eine ganze Menge Newcomer am Start, die alsbald im großen Stil debütieren werden. Newcomer, die voraussichtlich in des Hörers Ohren eindringen werden, wie jenes notorische Zäpfchen gegen Fieberwahn und kalte Füße, das üblicherweise Kindern verabreicht wird, um sie unbeschadet über die kalte Jahreszeit zu chauffieren. Nun denn, heute noch auf amusio, morgen schon auf der Showbühne, et voilà: Menace Beach, Young Fathers, Glass Animals und die bezaubernde Samantha Crain.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Oklahoma Woman: Samantha Crain (verstärker)

Oklahoma Woman: Samantha Crain (verstärker)

Fangen wir doch gleich mal bei Samantha Crain an. Ihr Album „Kid Face“ (Full Time Hobby / Rough Trade) kokettiert mit ihrer Mädchenhaftigkeit, um sie mit den besten Einflüssen (Woody Guthrie, Bob Dylan) fortzuwischen. Die gut mittzwanzigjährige Chocktaw-Indianerin verblüfft mit einem Songwriting, das sie schon heute für die nächsten fünfzig bis einhundert Jahre als zuverlässige Songschreiberin etablieren dürfte. Zwischen Wanderlust und Heimkehr pendelnd, schöpft Samantha Crain aus dem Fundus ihres bewegten Lebens, das mehr an Erfahrung aufzuweisen hat, als so manches Leben nach achtzig Jahren. Produziert von John Vanderslice (The Mountain Goats, Spoon) wird ihr Debüt die Spalten des Musik-Feuilletons füllen. Oklahoma songwriting at its best. Word.
Kostprobe: „For The Miner“ (als free download auf samanthacrain.com).

Ein ungleich fetteres Brett bohren die Young Fathers mit ihrem schlicht und schön betitelten Debutalbum: “Dead“ (Big Dada). Frisch aus Edinburgh, die Wurzeln in Nigeria und Liberia, wummert ein Bastard aus Hip Hop, Dub und Pop Hooks, der sich weder seiner Schäbigkeit, noch seiner Schönheit schämt.

Jung gefreit, nie gereut: Young Fathers (Verstärker)

Jung gefreit, nie gereut: Young Fathers (Verstärker)

Hinkende Vergleiche beginnen bei Diplo, Ghostpoet oder Alt-J und enden bei David Byrne … noch lange nicht. Der Vergleich mit Leftfield hinkt dann noch am wenigsten, doch besitzen die jungen Väter eine brachiale Direktheit, die Leftfield nie besessen haben. Ja, das ist DER Sound zur Alltagsbewältigung 2014! Spannungsgeladen und entspannt zugleich, shit happens und der Tod kommt uns sowieso holen – aber bitte mit feisten Beats, unausweichlichen Melodien und schwarz getünchten Keksen am Haggis.
Mal probieren? www.youtube.com/watch?v=eiMtr9QJHlY.

Wer hingegen gerne einmal Fünfe gerade sein lässt und statt in der Kneipe seine Kippe auf dem Spielplatz raucht, der dürfte mit den Glass Animals bestens bedient sein. Süßstoffige, nicht zuckrige, Popmagie in der Darreichungsform R&B auf LSD-Basis.

Transparenz sieht anders aus: Glass Animals (Verstärker)

Transparenz sieht anders aus: Glass Animals (Verstärker)

Da kann die Kopfmaschine schön herumspinnen, und die Füße das Wippen nicht sein lassen. Die EP „Psylla“ (Wolf Tone / Caroline International / Universal) becirct wo sie nur kann: originell, vielschichtig, durchdacht und dennoch verflucht eingängig. Sollten die Glasviecher ihr Niveau halten können, dann Gnade dir Gott, Thom Yorke. Einmal gehört und angefixt: youtube.com/watch?v=D0IOYcKgfJQ, bitte nicht mit Glass Tiger verwechseln …

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