Interview mit Steve Asheim

Deicide: Satanistische Waffenfreaks oder Götter des Death Metal?

Für den einen sind Deicide wahnsinnige, christenhassende Waffenfreaks, für andere Vorbilder in Sachen Meinungsäußerung und kompromisslosen Death Metal. Seit ihrem ersten Album von 1990 zählen sie neben Cannibal Corpse zu den bösartigsten amerikanischen Bands, pressen der Welt immer wieder ihren Stempel auf und haben in unzähligen Orten deshalb Auftrittsverbot. Demnach sind die Herren allgemein mit Vorsicht zu genießen, erfreuen sich jedoch weiterhin eines enormen Kultstatuses und gerieten erst vor wenigen Wochen wieder unfreiwillig in die Medien, als während eines Abends, bei sie mit Broken Hope in Texas spielten, ein irrer Fan ein Teppichmesser zog und drei Menschen im Publikum schwer verletzte. Gesprächsstoff pur, würde ich also sagen. Wir unterhielten uns aus sicherer Entfernung mit Schlagzeuger Steve Asheim.

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Schlagzeugmaschine Steve Asheim von Deicide (Quelle: Darkphotography)

Schlagzeugmaschine Steve Asheim von Deicide (Quelle: Darkphotography)

Amusio: Ihr seid immer noch als eine der satanistischsten Bands berüchtigt und das obwohl ihr seit nun 20 Jahren in der Szene aktiv seid. Die meisten Acts wurden im Laufe ihrer Karriere softer oder weniger radikal, ihr jedoch nicht. Seid ihr immer noch so hasserfüllt und wütend auf das Christentum, wie ihr es in euren jungen Jahren wart?

Steve Asheim: Ja, man kann definitiv sagen, dass in uns immer noch dasselbe Feuer brennt, wie damals, als wir das erste Album aufnahmen. Es fühlt sich immer noch genauso natürlich an und nie als müssten wir uns verstellen oder mit allen Mitteln versuchen, diese Radikalität aufrecht zu erhalten. Wir sind einfach so, wie es für uns naheliegend ist.

Ihr stammt noch aus der Zeit, wo es unumgänglich war, CDs oder Platten zu kaufen, wenn man an Musik herankommen wollte – heutzutage ist das beinah eine Rarität geworden und alles läuft nur noch über Youtube oder Spotify. Was hältst du von solchen gratis Musikplattformen oder illegalen Downloads?

Naja, weißt du, dieses Handeln und Tauschen war schon im Gange bevor es überhaupt Internet gab, in Form von Kassetten und ähnlichem. Aber mittlerweile wurde es völlig zur Norm. Wir verdienen wirklich kaum noch Geld an unseren Releases, dennoch sind wir nicht weg vom Fenster, unser Name verbreitet sich immer noch. Ich denke momentan arbeitet die Musikindustrie noch an einer neuen Generation von Releases und einer Möglichkeit dem illegalen Download entgegen zu wirken, es wird nur Zeit brauchen, bis sich das alles wieder zu einem fairen Spiel entwickelt hat.

An dieser Stelle folgten einige Fragen zu dem Vorfall in El Paso, bei dem ein Fan im Moshpit ein Messer zog und drei andere schwer verletzte, sowie der Eskalation zwischen Deicide und Broken Hope auf der aktuellen Tour, zu beiden Themen möchte Steve sich jedoch nicht äußern.

In der heutigen Zeit gibt es immer noch große Vorurteile gegen Metalheads. Besonders du hast ja damit zu kämpfen, einmal hat man dich sogar verhaftet, weil man dich für einen Bankräuber hielt, obwohl du nur Geld zum Schalter bringen wolltest. Gab es noch weitere Zwischenfälle, die dir nur aus dem Grund passierten, weil du aussiehst, wie du nunmal aussiehst?

Ja, ständig! An jeder Grenze werde ich schikaniert, besonders an der amerikanischen! Du würdest nicht glauben, wie viel Scheiße ich schon durchmachen musste, nur um in mein eigenes Land zurück kehren zu dürfen! Aber man gewöhnt sich daran. Und die können noch so oft versuchen mir Probleme zu machen, ich bin nunmal so wie ich bin und werde mich auch nicht ändern!

Du besitzt eine große Waffensammlung Zuhause, richtig? Was fasziniert sich so sehr an Gewehren und Pistolen?

Es ist einfach der natürliche Instinkt uns selbst und unsere Familie zu beschützen. Und oftmals benötigt es eben diese Instrumente, um die eigene Kraft zu verstärken. Außerdem ist es das, was die Gesellschaft zusammenhält, ob du es glauben willst oder nicht! Aber ich habe keine Angst vor Waffen oder ihrem Gebrauch. Jeder sollte in der Lage sein, sich zu verteidigen, das tun jegliche Lebewesen, es geht uns allen nur ums Überleben, um Futter, Unterschlupf und Verteidigung gegen Angreifer.

Euer neustes Album sollte wieder mehr wie euer erstes klingen – warum?

Ganz liebliche Mitmenschen? (Quelle: Earache Records)

Ganz liebliche Mitmenschen? (Quelle: Earache Records)

Ich würde eher sagen, wir versuchten unseren Old School Sound ein bisschen aufleben zu lassen, anstatt einfach nur das erste Album zu kopieren. Es sollte back to the roots werden!

Wenn man sich die jahrelange Entwicklung eures Songwritings anschaut, wie hat sich der Vorgang innerhalb der Jahre verändert? Geht es schneller, da ihr Routine bekamt oder vielleicht sogar langsamer, weil ihr immer wieder versuchen müsst, neue Herangehensweisen an ein Album zu finden, nach so vielen Veröffentlichungen?

Beides trifft irgendwie zu. Wenn wir plötzlich gute Ideen haben, lassen wir sie immer noch ruhen, um das beste herauszuholen und daraus zu machen. Aber wir setzen uns meist lange zusammen und schieben die Ideen zwischen uns hin und her, das hilft, auch einfach mal das “überflüssige Fett” abzuschneiden und nur das von dem Songgedanken zu verwenden, was auch wirklich genial ist.

Welchen Ratschlag würdest du in deiner Situation einem jungen Menschen geben?

Glaub an dich selbst und deine Fähigkeiten. Baue dein Wissen und deine Kraft immer weiter aus, suche immer wieder nach neuen Herausforderungen. Und dann geh in diese Welt raus, wandle deinen eigenen Pfad entlang und lass dich davon nicht abbringen.
Oder, wie ich es gern sage: Geh da raus und tritt der Welt in die Eier!

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.