50 Jahre „Jugend musiziert“ – Klassik für alle

Es ist ein Erfolgsmodell, das Freude macht: Zum 50. Mal findet in diesem Jahr „Jugend musiziert“ statt, der größte und bedeutendste Jugendwettbewerb im Bereich der Klassik in Deutschland. Was 1964 als Rettungsaktion begann, um den Nachwuchsmangel der deutschen Kulturorchester zu beheben, hat sich längst zu einem Grundpfeiler der Musik- und Kulturerziehung in Deutschland entwickelt. Fast alle Musiker, die heute in Deutschland in der Klassik einen Namen haben, erhielten vor Jahren einen Preis bei „Jugend musiziert“. Auch die Zahlen sprechen für sich: Mehr als eine halbe Million Kinder und Jugendliche standen in den letzten 50 Jahren bei „Jugend musiziert“ auf der Bühne.

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"Jugend musiziert"-Preisträger von gestern und heute: Tabea Zimmermann und ein junger Trompeter

„Jugend musiziert“-Preisträger von gestern und heute: Tabea Zimmermann und ein junger Trompeter, Foto: Bundesgeschäftsstelle „Jugend musiziert“

Zum ersten Wettbewerb kamen rund 2500 Teilnehmer, heute sind es auf regionaler Ebene jährlich beinahe zehnmal so viele, Tendenz steigend. Das ist schon erstaunlich. Möglich, dass generell der Wettkampfeifer unter den Kids gestiegen ist – auch in anderen Musikgenres sprießen für sie neuerdings medienwirksame Events hervor, Beispiel: „The Voice for Kids“.

Vielleicht belegen die Zahlen aber auch tatsächlich eine (wieder) zunehmende Wertschätzung für musikalische Bildung – das wäre ein willkommener, gegenläufiger Trend zum Schullehrplan, in dem Musik häufig nur stiefmütterlich als Wahlfach auftaucht und nicht selten von Unterrichtsausfall betroffen ist.

Nicht nur für Profis

Schön an „Jugend musiziert“ ist, dass der Wettbewerb sich an alle richtet, nicht nur an die Profis von morgen, die sich abschließend auf Bundesebene messen. Während auf der Spitzenebene der Leistungsgedanke dominiert – was gut und richtig ist, denn musikalische Perfektion verlangt neben Talent halt auch Fleiß und Disziplin –, geht es vor allem auf regionaler Ebene um die Freude am Musizieren, um ein Festival für Freunde der Klassik und um musikpädagogische Ziele: um Motivation und Ansporn, Erfolgserlebnisse, musikalische Standortbestimmung, gemeinsames Musizieren und erste Bühnenerfahrung.

Klassische Musik wird hier nicht als Ausdruck eines elitären Kulturverständnisses begriffen. Das ist wichtig in Zeiten, wo die öffentliche Förderung von Orchestern, Chören, Opernhäusern und anderen Klassik-Institutionen von Teilen der Gesellschaft harsch kritisiert wird und Katastrophenprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie ein übriges tun, den Ruf der Klassik als Sonntagszwirn der Oberschicht zu verstärken.

Klassik ist wie jede Musik für alle da, denn „Klang ist Leben“, wie Daniel Barenboim höchst lesenswert geschildert hat.

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Über Maike Steenblock

Freie Journalistin aus Hamburg. Studierte Klassische Philologie und Geschichte in Hamburg und Rom, schreibt über Food und jetzt auch über Musik. Spezialgebiet: Klassik