Art Garfunkel zum 72.

Die zarteste Stimme seit es Versuchung gibt

„Art?! Ist das nicht ein männlicher Vorname?“, meinte Andy Warhol rhetorisch fragen zu müssen. Während die Sinnsuche der Beatniks mehr und mehr in die Depression abzudriften drohte, stifteten Paul Simon und Art Garfunkel eine Art (sic) Gegenbewegung, die dermaßen versöhnlich angelegt war, um selbst der Depression noch Lebensqualität abringen zu können. „Bridge over troubled water“, „The Sound of Silence“ – und viele epochale Songs mehr. Heute wird die zart-harte Stimme zweiundsiebzig Jahre alt. Auf die nächsten Zweiundsiebzig, werter Art Garfunkel!

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Zarte Versuchung (Beate Sandor)

Zarte Versuchung (Beate Sandor)

Ein rumänischer Jude, der dem Genuss des Marihuanas frönt … das klingt nicht nach Weltkarriere. Doch an der Seite des kaum minder „eigenartigen“ Paul Simon (man denke an Südafrika) hat sich Arthur Ira „Art“ als Stimme der kraftvollen Zärtlichkeit in die Geschichtsbücher der populären Musik eingeschrieben. Auch als Schauspieler hat er sich versucht, wenn auch mit eher mäßigem Erfolg, seine Stimme überschattet die Person, so kann es gehen …
Unvergessen die Mega-Schnulze „Bright Eyes“, mitverantwortet von Mike Batt, die nicht nur die „League of Genlemen“ (hervorragende BBC-Comedy, Tipp!) zu Herz zerreißende Parodien einlud. Dabei erweist sich Art Garfunkel als renitent gegenüber seines Ruhms, er ist und bleibt der Typ, der den Schalk im Nacken trägt – was ihn dazu ermächtigt, bei Bedarf auch heute noch die schönsten Songlines „ever written“ zu interpretieren, ohne Falsch oder Kalkül.

Mag er auch Millionen verdient haben, er würde in der Fußgängerzone von Osnabrück das gleiche Ergebnis erzielen: Rührung, Verständnis, Hoffnung. Darum auch dieser Hinweis in eigener Sache: zweiundsiebzig wird man nicht aller Tage, und ich hoffe an dieser Stelle alsbald Art Garfunkel zum 80. gratulieren zu können.

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