Mehr als Lächeln und Winken

Grüßaugust und warum man endlich ihren Namen schreiben kann

Lächeln und Winken wäre eigentlich die einzige Aufgabe eines Grüßaugusts, doch was die deutschen Herren auf ihrem brandneuen, selbstbetitelten Album von sich geben ist alles andere als leichte Kost mit hohlem Lächeln. Vielen dürften sie bereits als The Inchtabokatables kennen, die in den Neunzigern nicht nur für Zungenbrecher bei Ticketkäufen führten, sondern auch große Bekanntheit erlangten durch die Tatsache, dass sie in einer technogeprägten Zeit eine wüste Mischung aus Punk und Noise fabrizierten – aber ohne Gitarre.

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Nicht schön, aber selten: Grüßaugust (Quelle: www.gruessaugust.com/)

Nicht schön, aber selten: Grüßaugust (Quelle: www.gruessaugust.com/)

Falls es bei euch noch nicht klingelt: Die Bandmitglieder waren die letzten Jahre mehr oder weniger in Acts wie Rammstein, Letzte Instanz, Silbermond oder Subway To Sally verwurschtelt, und sind nun, wie damals 2002 versprochen wurde, 11 Jahre später wieder zurück. Wenn auch nun unter dem etwas leichter zu schreibenden Namen Grüßaugust.

Mittlerweile haben sie sogar eine Klampfe im Gepäck, der bizarre, anti-mainstreamige Sound, für den sie aber immer so verehrt wurden, ist nach wie vor präsent. Aus einem Crowdfunding-Projekt ging am 1.November endlich das neue Album hervor und wurde  auf völlig old-school-artige Weise aufgenommen, in einem alten Proberaum, mit zwölf Tonspuren und analogen Soundkarten, auf die alle Bandmitglieder gleichzeitig mit ihren Instrumenten einmeiselten.

Heraus kam eine brillante Mischung aus experimentellem Folk, Punk und Noise, die teils in hypnotischen Melodien, teils in bitterschrägem Gefiedel zusammenfließt. Allgemeine Songwritingregeln wurden völlig über den Haufen geworfen, jedoch ohne dabei in die Sinnlosigkeit abzurutschen, wie der 12-minütige Songs „listen“ beweist. Obendrauf gibt es auch noch Liedtexte in Deutsch, Englisch und Russisch und unterm Strich liefern GrüßAugust damit Musik, wie es sie heute gar nicht mehr gibt. Und auch nie wirklich gegeben hat, außer mit den Inchtabokatables. Harter Tobak, Leute, janz harter Tobak! Aber mit wahnwitziger Genialität.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.