Niveauzusammenbruch und Wir-ficken-deine-Mutter-Rap:

Captain Gips über sein neues Album und den deutschen Rap an und für sich

Captain Gips ist Maler, Musiker und beim Indie-Label Audiolith unter Vertrag. Am 22. November erscheint mit „20.000 Meilen unter dem Yeah“ das neue Album des Hamburger Rappers, der auch Teil der Hip Hop-Combo Neonschwarz ist. Wir haben uns mit Captain Gips natürlich über sein neues Album, aber auch über den Zustand des deutschen Hip Hop ganz im Allgemeinen unterhalten.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

 

Captain Gips. Foto: Maik Carstensen, www.photo-design-hamburg.com

Captain Gips. Foto: Maik Carstensen, www.photo-design-hamburg.com

Moin Captain Gips, vor mir liegt hier 20.000 Meilen unter dem Yeah. Trotzdem gibt es noch Leute, die sagen, es gäbe keinen guten deutschen Hip Hop mehr. Was sagst du denen?

Ich finde, deutschsprachiger Hip Hop hat gerade in den letzten Jahren wirklich aufgeholt, was Technik und Style angeht. Ich finde, die Sachen, die heutzutage rauskommen meistens besser, als den alten Kram. Es gab halt irgendwann einen „Niveauzusammenbruch“ ,aber die Raptechnik und auch die Beatproduktionen haben sich definitiv weiterentwickelt. Jetzt gilt es das Niveau wieder zu heben und das haben ja auch einige schon geschafft. Der stumpfe Wir-ficken-deine-Mutter-Rap ist zwar nach wie vor ziemlich groß und wird auch groß bleiben, aber immerhin schaffen es mittlerweile auch Leute, wie z.B. Casper, mit intelligenteren Texten erfolgreich zu sein.

Rap aus den USA oder UK ist aber nach wie vor noch einige Jahre voraus, aber die haben dort ja auch mindestens 10 Jahre früher angefangen :) .

Was bedeutet Musik dir? Das ist mehr als bloß ein Job für dich, oder?

Die Musik war für mich, neben der Malerei, immer ein wichtiger Teil in meinem Leben. Ich habe, egal ob ich studiert oder in normalen Jobs gearbeitet habe, immer gedacht: „Was ich will ist, Musik machen und malen.“ Damit könnte ich alleine schon mein Leben füllen. Daher kommen auch meine vielen arbeitsfeindlichen Songs: Ich habe immer das Gefühl, dass mich „normale“ Lohnarbeit daran hindert, dass zu tun, was ich möchte, was mich erfüllt. Das macht mich wahnsinnig. Wenn man nicht so eine Leidenschaft hat, kann man das vielleicht besser ertragen? Würde ich im Lotto gewinnen, würde ich genau das tun, was ich jetzt mache. Vielleicht sollte ich mal Lotto spielen.

Politik ist im deutschen Hip Hop ja jetzt nicht gerade angesagt und – von ein paar Spinnern wie MaKss Damage abgesehen – ja auch eine Randerscheinung. Ist das was du da machst, denn politischer Hip Hop?

Nein, ich verarbeite ja auch ganz andere unpolitische, persönliche Themen. Ich mag mich nicht gern in eine Schublade stecken. Bei mir kommt immer zuerst die Musik, dann Politik. Ich schreibe über das, was mich beschäftigt und deshalb mache ich auch politische Songs, aber ich mag es auch HipHop-typische Songs zu schreiben, in denen es in erster Linie um Wortwitz und Humor geht. Ich bin da sehr offen.

Als was würdest du dich sonst bezeichnen? Ein gewisser gesellschaftskritischer Einschlag ist ja offensichtlich da.

Wenn man Hip Hop in zwei Lager trennen möchte, also wie in den USA: Gangster – und Conscious Rap, dann würde ich mich natürlich eher zu der Conscious-Seite zählen. Es ist für mich auch selbstverständlich sich gegen Nazis zu engagieren und die herrschenden Verhältnisse zu kritisieren. Ich stehe politisch schon sehr weit links, daher auch meine immer wiederkehrende Gesellschaftskritik. Ich bezeichne mich als Rapper, der auch seine politische Einstellung vertritt, aber nicht als Politiker, der rappt.

Bushido spielt auf Mad Man: Erst mit Hans Peter Friedrich kuscheln und danach Claudia Roth mit Mord drohen. Wäre das nichts für dich, um auf dich aufmerksam zu machen?

Hab das nur so am Rande mitbekommen. Ja, das ist doch echt mal eine gute Idee. Das sollte ich mal machen… ich denke mal drüber nach. :)

Wie bist du eigentlich zu Audiolith gekommen?

Ich bin mit meinem letzten Solo-Album „Optimus Prime“ in Lars Lewerenz Büro marschiert und dann haben wir uns noch mal getroffen und später zusammen eine Single rausgebracht. Damals gab es ja noch gar kein Rap bei Audiolith, aber mir gefiel deren politische Einstellung und Punkattitüde, so dass ich mir eigentlich schon dachte, dass die sehr Open Minded sind. Das hat einfach gepasst und jetzt kann ich mir auch nicht vorstellen, bei einem anderen Label zu sein.

Und fühlst du dich wohl mit Egotronic, Frittenbude, ClickClickDecker und den anderen?

Ja, sehr. Ich feiere das ganze Label. Alle, die ich bisher kennengelernt habe, sind wirklich sehr sympathische Menschen. Niemand ist da irgendwie abgehoben oder so.

Das ist, glaube ich, das Besondere an Audiolith: Es geht nicht vornehmlich um eine bestimmte Musikrichtung (wie bei den meisten anderen Labels), sondern mehr darum, dass die Menschen zusammen passen… In vielen Punkten ähnliche Einstellungen und Sichtweisen haben usw..

Eine Frage zum Schluss noch: Nach dem Soloalbum 20.000 Meilen unter dem Yeah, plant ihr jetzt auch ein Neonschwarz-Album?

Also das ist noch sehr geheim, aber ja. Da freue ich mich auch schon sehr drauf.

 

 

Ein „Making of“ der besonderen Art zum neuen Captain Gips-Album gibt es auch hier:

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Stefan Christoph

Stefan Christoph | Stefan Christoph ist im bürgerlichen Leben tagsüber Politikwissenschaftler. Nachts legt er jedoch sein dunkles Cape an und wird zum Musikredakteur, Texter und Grafiker.