Live in Herford, 6.11.2013

Paradise Lost + Lacuna Coil + Katatonia: In jungen, wie in alten Zeiten

„You old bastards!“, brüllte es aus dem Publikum, als Sänger Nick Holmes allen ins Gedächtnis rief, dass mittlerweile 25 Jahre vergangen sind, seitdem Paradise Lost begannen, die Welt des Metals mit ihrer finsteren Mischung aus Gothic, Doom und Death zu revolutionieren. Aber wirklich alt ist nichts an den Herren, erst recht nicht ihr souveräner britischer Humor. Denn auf den scherzhaften Einwurf aus dem Publikum wusste Nick nur eins zu kontern: „Fuck me!“

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Elegant Bastards? Paradise Lost können's noch! (Foto: Paul Harries)

Elegant bastards? Paradise Lost können’s noch! (Foto: Paul Harries)

Schon Katatonia ließen sich eine ganz spezielle Show einfallen, bei der sie einmal ihr komplettes Album „Viva Emptiness“ spielten, das ebenfalls Jubiläum feierte – wenn auch „erst“ sein zehntes.
Schnell bewiesen die progressiven Doom-Schweden ihr musikalisches Können, insbesondere die Stimme von Lord Seth spukte glasklar durch die Halle, allerdings schien die Band ihren Namen ein wenig zu wörtlich genommen zu haben und klebte eine satte Stunde unbeweglich am Boden fest. Daran scheiterte leider auch ein wenig die Überzeugungskraft der sonst doch recht genialen Jungs, das Set war viel zu lang, denn erst „Ghost of the Sun“ rüttelte die Menge langsam wieder aus ihren Federbetten.

Lacuna Coil erfüllten ihren Job als abendlichen Wecker jedoch besser als jeder andere. Denn sobald Sängerin Cristina Scabbia die Bühne betrat, verfiel jeder ihrem charismatischen Italo-Charme und besonders die Klassiker wie „Heaven’s A Lie“ rockten anständig die müden Zuschauerglieder. Leider verirrte sich kein Song der ganz alten Alben auf die Setlist, doch auch mit den zahlreichen „Dark Adrenaline“-Tracks waren Lacuna Coil so überzeugend, wie sie schon immer waren. Cristina lebte jede Sekunde ihrer Musik und dass sie dabei immer noch aussah wie zwanzig, war nur ein kleiner Bonus zu der eh schon Hammer-Performance der Gothic-Kombo.

Lacuna Coil (Foto: Anne Swallow, Köln 2006)

Lacuna Coil (Foto: Anne Swallow, Köln 2006)

Doch was wären Paradise Lost, wenn sie das vorgelegte Niveau nicht halten könnten! Denn wer kann es sich schon locker leisten, 14 Songs aus zwölf (!) verschiedenen Alben in einem Konzert unterzubringen? Auch wenn die Songauswahl nicht jedermanns Geschmack zu treffen schien, bewiesen die Engländer, dass rein gar nichts an ihnen eingestaubt, gebrechlich oder öde geworden ist, Bassist Steve Edmondson grinste ununterbrochen schelmisch vor sich hin, Drum-Titan Adrian Erlandsson erwies sich nach wie vor als großartige Wahl für Paradise Lost und Nick Holmes rockte die zurückhaltende Menge immer wieder mit seinen trockenen Ansagen wie „Wir haben jetzt schon zwei Tage in eurem wunderschönen Herford verbracht… hauptsächlich bei McDonald’s.“

Schade, dass die genialen Knaller aus der neuen B-Sides Collection völlig unter den Tisch fielen. Doch ansonsten lässt sich nur sagen: Klasse Sound, tolle Location, für Cristina Scabbia würde ich lesbisch werden und… auf die kommenden 25 Jahre!

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.