Tabulos und humorvoll

Tatort-Team Münster bekommt Medienpreis „Bobby“

Das Team des Münsteraner „Tatorts“ kann sich über eine weitere Ehrung freuen. Die „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung e.V.“ hat das Team um Kommissar Thiel, Dr. Boerne und Assistentin „Alberich“ für den tabulosen und humorvollen Umgang mit Menschen mit Behinderung geehrt. Stellvertretend für das Team nahm ChrisTine Urspruch, alias „Alberich“, den Preis entgegen.

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ChrisTine Urspruch mit dem BOBBY 2013 und der Lebenshilfe-Bundesvorsitzenden Ulla Schmidt. Foto: Michael Bause

ChrisTine Urspruch mit dem BOBBY 2013 und der Lebenshilfe-Bundesvorsitzenden Ulla Schmidt. Foto: Michael Bause

Der Medienpreis „Bobby“ wird seit 1999 von der „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung e.V.“ verliehen. Er ist benannt nach seinem ersten und unvergessenen Preisträger Rolf „Bobby“ Brederlow (Bobby Ackermann in dem TV-Vierteiler „Liebe und weitere Katastrophen“). Frühere Preisträger waren unter anderem schon Günther Jauch, Christine Kleinert, Dr. Alfred Biolek und auch Guildo Horn. Das Team des „Tatorts“ Münster bekam die Trophäe für die humorvolle Darstellung und den liebenswerten Umgang mit einer Behinderung.
Ausgezeichnet, laut Jury, wurde der „humorvolle Umgang des Krimi-Formats mit einem vermeintlichen Defizit. Die pointierten und politisch unkorrekten Wortwechsel zwischen der von ChrisTine Urspruch gespielten kleinwüchsigen Gerichtsmedizinerin Silke Haller und ihrem Chef, Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) tragen wesentlich zum Erfolg der Krimi-Reihe bei, die seit 2002 vom WDR produziert wird.“ Wagner-Fan Dr. Boerne spricht seine eifrige Helferin nie mit ihrem richtigen Namen an, sondern immer nur mit „Alberich“, inspiriert von dem gleichnamigen Zwerg im „Ring der Nibelungen“.
Erst im letzten Münsteraner „Tatort“ hat Dr. Boerne am Schluss mit seiner Unart gebrochen. Wahrscheinlich weil seine Assistentin ihm auf deutsch gesagt, den Allerwertesten gerettet hat, sprach er sie am Ende des „Tatorts“ sogar einmal mit ihrem korrekten Rollennamen „Frau Haller“ an. Sicher wird er in der nächsten Folge aber wieder in den alten Habitus verfallen. ChrisTine Urspruch geht selbst recht zwanglos mit ihrer Rolle und auch ihrer Behinderung um. In einem Interview sagte sie, dass ihre Behinderung nicht von Bedeutung sei. „Ich bin nun mal kleinwüchsig, na und?“, so die 1,32 Meter große Darstellerin. Vorbild und zugleich Hoffnung für viele Leidensgenossen. „Am Anfang fand ich das Drehbuch mit den Wortwechseln hart. Aber um das Denken zu verändern, ist so ein Tabubruch auch in einem unterhaltsamen Format wichtig“, so ChrisTine Urspruch nach der Preisverleihung.

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Über Guido Kaiser

Guido Kaiser | Studium: Germanistik und Medienwissenschaften - Beruf: Redakteur für verschiedene TV-, Print- und Online Medien - Tätigkeit: Presse-, Medien- und Marketingberatung - Hobbys: Musik verschiedenster Stile, Sport - besonders Fußball, Hunde