Dresden: Mutige Inszenierung in der Semperoper

Hat Christine Mielitz die Wende kommen sehen?

Am 9. November jährt sich der Fall der Mauer. Viele Schritte waren auf dem Weg dahin notwendig. In Dresden zählt dazu auf jeden Fall auch die Aufführung von Beethovens Oper Fidelio im Oktober 1989, inszeniert von Christine Mielitz. Die Premiere fiel auf den Tag, an dem die Regierung sich noch einmal feiern wollte und von Gorbatschow den legendären Satz hören musste „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

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Der Stoff Beethovens Oper hatte Ende der achtziger Jahre höchste Aktualität. © Matthias Creutziger

Der Stoff von Beethovens Oper Fidelio hatte Ende der achtziger Jahre höchste Aktualität.
Foto: © Matthias Creutziger

Fidelio heißt eigentlich Leonore. Als Mann verkleidet, arbeitet sie für den Kerkermeister Rocco, denn ihr Geliebter Florestan ist dort inhaftiert. Der ist der ärgste Feind des Gouverneurs des Gefängnisses, Don Pizarro. Er befiehlt den Tod Florestans, nachdem sich der Minister Don Fernando zur Inspektion angekündigt hatte. Fidelio/Leonore gräbt Florestan in seiner Zelle ein Grab und hofft, den Mord verhindern zu können, was ihr in letzter Sekunde gelingt.

Während der Aufführung war das Opernhaus von Polizei- und Militärfahrzeugen umstellt, in der Prager Straße und am Hauptbahnhof demonstrierten seit Tagen die Menschen. Auf der Bühne machte sich der Chor der Gefangenen am Zaun zu schaffen, der der deutsch-deutschen Grenzanlage deutlich ähnelte. Mielitz schildert, dass das Publikum, nachdem der Gefangenenchor verklungen war, minutenlang geschrieen und geweint habe.

In der Oper wie auch in der Geschichte hat die Hoffnung auf Freiheit gesiegt.

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Über Raphaela Kaltenhäuser

Raphaela Kaltenhäuser | Freie Journalistin Klassische Musikszene Dresden