Eisern der Dummheit verfallen

Ein Kreuz mit Schrowange

Jetzt wird sich wiedermal das Maul zerrissen, angeblich habe sich die prinzipiell unerträgliche Frau Birgit S. (RTL) ein Eisernes Kreuz um den Hals gehängt. Genauer betrachtet stimmen die Proportionen keineswegs mit dem Original überein. Noch genauer betrachtet liegen Weltkriegs-Devotionalien durchaus im Trend, wenn es darum geht, mal wieder zu einem Thema zu werden. Es ist halt immer wieder schön zu sehen, wie Dummheit auf Blödsinn stößt, und selbst einen Idioten wie mich dazu veranlasst, einem ungewissen Unmut eine Sprache zu verleihen, die, außer Kreuzträgern im Geiste, ohnehin kein denkender Mensch versteht.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Las Aufkleber erhältlich: das Eiserne Kreuz (mysticker 24)

Als Aufkleber erhältlich: das Eiserne Kreuz (mysticker 24)

Eine Patt-Situation: In der rechten Ecke eine weiter nicht relevante TV-Tante („laber, laber, laber“, Heinz Strunk), die eher vom Blasen („igitt“, Wolf von Wark) als vom Tuten eine geringe Ahnung hat, in der linken Ecke eine besorgte Öffentlichkeit, die Runen als eine Erfindung der Nazis empfindet.
Dabei ist es nur so billig, ein modisches Accessoire in Verruf zu bringen; Hauptsache, es werden Schlagzeilen produziert, die allen Menschen, die im Sinne des Originals (dem Eisernen Kreuz erster bis fünfter Klasse) gelitten haben und gestorben sind (auf beiden Seiten der fragwürdigen Medaille) mit Hohn und publizistischem Stupor noch eine – hoffentlich – letzte Ehre erweisen.

Frauen- und Schmuckverständiger: T. Wiesengrund A. (Badische Zeitung)

Frauen- und Schmucksachverständiger: T. Wiesengrund A. (Badische Zeitung)

Selbst der notorische Frauenfreund T. Wiesengrund Adorno hätte Madame S. vermutlich noch nicht mal auf den Allerwertesten geschaut. Im Sinne seiner Kulturkritik bestätigt der kleine Eklat um den Halsschmuck einer TV-Null die These, dass die Verblödung im Wettbewerb mit Aufklärung und Emanzipation dann doch die besseren, wenn auch gezinkten, Karten hat. Jonathan Meese hat sicher nicht zu Unrecht sein Recht auf den Hitler-Gruß gerichtlich durchsetzen können. Aber der Mann weiß zumindest, was er tut und wovon er spricht. Wenn aber eine SUV fahrende Promi-Tante auf ungebildete Journaille trifft, trieft die Kotze des Entsetzens auf die Halskette, und von dort auf die Auslegware, am Ende eines langen Abends sinnentstellter Auseinandersetzung mit Daseinsdimensionen, die nur ein Uropa wie Ernst Jünger korrekt einzuschätzen weiß: „In Stahlgewittern“. Habt ihr sie noch alle?! Orden, meine ich …

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