Dresdner Kammerchor engagiert sich nicht nur für die Opfer der Reichsprogromnacht

Gedenkkonzert in der Martin-Luther-Kirche

Der Chor beginnt zu Summen, dazwischen rufen einzelne Chorsänger Zahlen, die werden immer höher, die Zwischenrufe werden mehr und mehr, kommen immer schneller,  werden immer lauter und eindringlicher. Den Besuchern dürfte sofort klar geworden sein, dass es sich hier um Häftlingsnummern handelt. Gänsehaut erzeugte der Jugendchor der evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz beim Publikum, der das Gedenkkonzert für die Opfer der Reichsprogromnacht 1938 eingeleitet hat. Und überzeugend trug er das Lied-Arrangement von Silke Zimpel Mir leben ejbik vor.

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Foto: Raphaela Kaltenhäuser

Konzert zum Gedenken an die Opfer der Reichsprogromnacht vor 75 Jahren in der Martin-Luther-Kirche zu Dresden
Foto: Raphaela Kaltenhäuser

Am Samstagabend, dem 9. November, sang der international bekannte Dresdner Kammerchor in der Martin-Luther-Kirche zu Dresden unter Leitung von Hans-Christoph Rademann Psalmen von Salomone Rossi. Zwischendurch las der Schauspieler Peter Prager aus dem Roman von Robert Menasse Die Vertreibung aus der Hölle.

Der Chor führte die barocken Psalmen – das  Konzert war insgesamt sehr würdig – in hebräischer Sprache auf, sprachlich, technisch und dramaturgisch brillant, souverän in den Höhen. Sehr schön anzuhören war auch der Männerchor mit Al naharot Bavel.

Als letzte Darbietung kam die Hochzeitsmotette mit einer gesellschaftlichen Vision, in der Vielstimmigkeit wie auch kulturelle Vielfalt als Ressourcen erkannt und toleriert werden, die produktiv genutzt werden können.

Sehr gut passte auch die zweite Zugabe, die Rademann vom Kammerchor und Jugendchor – für den die erfahrenen Sängerinnen und Sänger eine Patenschaft übernommen haben – gemeinsam aufführen ließ: die Motette von Felix Mendelssohn-Bartholdy Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir.

 

 

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Über Raphaela Kaltenhäuser

Raphaela Kaltenhäuser | Freie Journalistin Klassische Musikszene Dresden