Eine Melange zum Gruseln

Konzerthaus Dortmund: Konstantin Wecker und Angelika Kirchschlager mit „Liedestoll“

Halloween ist jetzt schon wieder seit einiger Zeit vorbei, aber die Nachwirkungen schwappten bis in den Dortmunder Kulturbetrieb und damit bis ins Konzerthaus. „Liedestoll“, nein, nicht „Liebestoll“, kein Versehen, sondern ein Werbegag, so nennt sich das Kirchschlager-Wecker-Programm.  Das wirkt bemüht und ist es auch, aber auch gute Veranstaltungen können mittelmäßige Titel haben. Kein Grund, nicht hinzugehen. Umso mehr, als Konstantin Wecker ja seit Jahren eine feste Größe im Showgeschäft ist und Angelika Kirchschlager zu den interessanten Stimmen im weiten Feld der Oper zählt. Ein gemeinsamer Abend ließ also viel erhoffen und versprach einen interessanten Spaziergang

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Angeiika Kirchschlager (© credit: Nikolaus Karlinsky)

Angeiika Kirchschlager (© credit: Nikolaus Karlinsky)

zwischen musikalischen Genres und Stilen, umso mehr, als beide mit einer Entourage von Streichquartett, Percussionist und Klangingenieur anreisten. Was dann allerdings über den  immer weniger geneigten Hörer niederging, war nichts weniger als ein künstlerischer Supergau. Die schlimmsten Details jetzt im Schnelldurchlauf: beginnen wir mit der Intro, einem Stück das an musikalischem Tiefgang  so ungefähr zwischen „Die Schöne und das Biest“ und  den schlechtesten Songs von Hansi Hinterseer liegt, aber von dem erwartet man auch nicht  einen Duoabend mit Angelika Kirchschlager. Dummerweise wurde in der Vorstellungsrunde, in der das Publikum schon mal darauf eingestimmt wurde, wer sich hier nach Dortmund herabgelassen hatte – Wecker über Kirchschlager: „Die Königin!“ –  Kirchschlager über Wecker: „Der Meister!“ dann offenbar, dass das Werk auch noch von Wecker selbst stammte. Der Meister hatte  Goethe beziehungsweise eines seiner Gedichte zu seinem „musikalischen Opfer“ erkoren. Peinlich begann es, und peinlich ging es weiter. Wenn man die Weckerschen Lieder mag, was bei den meisten Zuhörern der Fall zu sein schien, mochte das angehen. Wecker sang, spielte Flügel und tremolierte wie eh und je. Das ist für seine Fans ja auch in Ordnung. aber Angelika Kirchschlager kam, selbst wenn „Meister Wecker“

Konstantin Wecker (© Thomas Karsten)

Konstantin Wecker (© Thomas Karsten)

sie auf der Bühne allein ließ, mit ihrer klassischen Art zu singen nicht gegen ihn an. Geschlagen zudem mit einer musikalischen Begleitung in Form eines Streichquartetts, das  brav begleitete und vereinzelt in solistischen Einlagen sich auf dem Niveau eines B-Orchesters präsentieren durfte, mit einem Schlagzeuger, dessen bevorzugte Tätigkeit in dem bestand, was der Österreicher despektierlich „draufhauen“ nennt, und schließlich einem musikalischen Leiter und Arrangeur, der einen zweiten Flügel genauso spielte wie ein Keyboard.  Ein wirkliches Ärgernis aber waren die musikalischen Arrangements, die – etwa in der unsäglichen Erlkönig-Vertonung vor der Pause, mit Mühe das Niveau der Filmmusik eines drittklassigen Splattermovies erreichten. Man könnte das noch weiter fortsetzen, aber es lohnt die Mühe nicht. Wie meinte einer meiner Professoren einmal: „Die niedrig gelegte Latte wurde mühelos unterlaufen….“. Fazit: für eingefleischte Wecker-Fans wird es sich lohnen. Fans von Angelika Kirchschlager sei dringend eine Opernvorstellung oder eines ihrer Konzerte empfohlen. Die Klasse der Künstlerin wurde an dem Abend jedenfalls nicht deutlich, auch wenn sie am Anfang meinte, ein Auftritt mit Wecker wäre ihr Jugendtraum gewesen. Aber wie das mit Träumen manchmal so ist. Besser er hätte sich nicht erfüllt.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!