"Wetten, dass...?" das so nicht mehr weiter geht!

Markus Lanz im Quotenkeller

Die Fakten sind ernüchternd: Gerade mal 6,55 Millionen Zuschauer haben sich die vergangene Ausgabe der Familiensendung „Wetten, dass…?“ vom 9. November in Halle an der Saale, angeschaut. Damit hat Markus Lanz dem Format nicht nur im Vergleich zum Vormonat noch einmal 300.000 Zuschauer weniger beschert, sondern auch die niedrigste Quote seit Bestehen der Sendung eingefahren. Das langsame Sterben des Entertainments-Dinosaurier ist aber nicht nur die Schuld des meist fahrigen und charakterlosen Markus Lanz. Eine Analyse.

Der Wind ihm stärker ins Gesicht: Markus Lanz (Foto: 6eck)

Der Wind ihm stärker ins Gesicht: Markus Lanz (Foto: 6eck)

Werder Bremen ist als Fußballverein für seine Konstanz in Sachen Trainer bekannt. Otto Rehhagel trainierte die Mannschaft von 1981 bis 1995, Ziehsohn Thomas Schaaf war von 1999 bis 2013 im Amt. Dazwischen war eine Phase der Neuorientierung und Umstrukturierung, die nicht spurlos am Verein vorübergingen. Ein Vergleich, der nur all zu gut auf „Wetten, dass…?“ zu passen scheint. Hier herrschte über mehr als zwei Jahrzehnte Thomas Gottschalk als etwas piefiger, aber immer noch irgendwie charmanter Conferencier, der mit den Stars einfach gut konnte. Das neue Team sucht noch nach der passenden Form.

Vor genau eineinhalb Jahren, am 11. März 2012, wurde Markus Lanz als neuer Moderator von Wetten, dass…?“ bekannt gegeben. Eine Notbehelfslösung, denn eigentlich standen Hape Kerkeling un Jörg Pilawa ganz oben auf der Wunschliste des ZDF. Lanz ist ein passabler Talkrunden-Moderator, Entertainment jedoch liegt nicht in seinem Blut. Das scheinen die Chefs des öffentlich-rechtlichen Senders geahnt zu haben.

Fairerweise muss gesagt sein, dass sich auch die Macher der Sendung scheinbar zu viel vorgenommen hatten. Die ersten Folgen wollten alles revolutionieren, allerdings ohne Sinn und Verstand. Cindy aus Marzahn als origineller Sidekick konnte sich nicht durchsetzen, ebenso wie die Lanz-Challenge, die unter der Unmittelbarkeit der Live-Sendung litt, da der Moderator kein besonders guter Improvisateur ist. Und auch die Idee, alle Wettkandidaten und deren Paten zu Beginn der Sendung auf einmal zu präsentieren, musste zwangsläufig scheitern. Der Moderator schafft es nicht, mehrere Menschen auf einmal zu leiten.

Mittlerweile hat man sich wieder auf die alten Tugenden besonnen. Saal-Wetten, Außen-Wette, Kinder-Wette, alles schön nacheinander. Das spielt Lanz eher in die Karten, da er so die Chance hat, mit den Prominenten sich in Ruhe und fokussiert zu unterhalten. Allein, er nutzt diese Möglichkeiten nicht, sondern verfällt mit seinen Small-Talks in Belanglosigkeiten erster Güte – so auch an vergangenen Samstag.

Indes glich der Abend einem hektischen Verladebahnhof. Die internationalen Stars wie Céline Dion und Miley Cyrus (ganz züchtig im Erdbeer-Kostüm) zeigten sich nur kurz. Dion konnte durch ihre spontanen Jodel-Einlagen für einige Stimmung sorgen, musste dann aber auch wieder weiter. Sting, der für den ruhigen Moment des Abends sorgte, wurde gar nicht erst auf die Couch gebeten.

Dafür nervte ein völlig überdrehter Elyas M’Barek mit seiner Werbung für seinen neuen Film „Fack ju, Göhte“, und Diana Amft und Armin Rohde zeigten sich – ganz der Grundstimmung passend – in post-oktoberfestlichem Trachtengewand.

Lanz mangelte es deutlich an Ideen und Schlagfertigkeit. Und als er zusätzlich auch noch Halle mit Leipzig verwechselte, merkte man, dass der Mann, der mit seinem ganzen Team versucht, einen Unterhaltungs-Dino künstlich am Leben zu halten, deutlich verunsichert ist.

Die Frage, ob es so ein Format braucht, sollte aber nicht gestellt werden. Denn die eigentlichen Stars, die Wettkandidaten, sind nach wie vor unterhaltsam: Ein Mann, der sämtliche Ergebnisse aus zehn Jahren erste Bundesliga aufsagen konnte, inklusive der Torschützen in der richtigen Reihenfolge; drei Holzarbeiter aus Südtirol, die innerhalb von wenigen Minuten ein funktionsfähiges Fahrrad aus Holz schnitzen; Zwei Baggerfahrer, die mit ihren Maschinen Socken auf eine Wäscheleine drapierten und mit Klammern befestigten… das waren die Momente, an denen man sich erinnert, warum die Sendung so beliebt ist.

Allerdings reichen die Wetten nicht aus, eine dreistündige Sendung über Wasser zu halten. Es bleiben also nur folgende Möglichkeiten: „Wetten, dass…?“ wird zeittechnisch eingedampft, oder die Macher überlegen sich intensivere Fragen für die Promis aus, um auch die Zeit zwischen den Wetten zu überbrücken. Dass dann vielleicht nicht so viele Prominente dabei sind, wird der Sache nur dienlich sein. In dieser Form wird diese Unterhaltungssendung jedoch auf kurz oder lang dem Untergang geweiht sein.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!