„Their Satanic Majesties Request“ – Lennon und McCartney bei den Stones im Background-Chor

Sgt. Pepper’s von den Beatles kennt jeder. Aber wer kennt Their Satanic Majesties Request? Zum Beispiel ich. Bei meinem Vater stand in den siebziger Jahren nicht Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band im Plattenregal. Den Platz des psychedelisch inspirierten Albums nahm vielmehr das zeitgenössische Gegenstück der Rolling Stones ein: Their Satanic Majesties Request. Das Album erschien am 8. Dezember 1967 in England; ein halbes Jahr und eine Woche nach Sgt. Pepper’s und gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

3D-Cover des Stones-Albums „Their Satanic Majesties Request“. Foto: Frank Behrens

Der etwas krude Titel soll zurückgehen auf die Formel „Her Britannic Majesty’s Secretary of State requests and requires…” im britischen Pass. Die Stones machten daraus kurzerhand eine Anforderung ihrer satanischen Majestäten: Their Satanic Majesties Request. Ursprünglich sollte das Album allerdings „Cosmic Christmas“ heißen – eine Formel, deren Reste sich als Subtext von Stück Nummer fünf – „Sing This All Together (See What Happens)“ finden: Spielt man das Stück schneller, hört man die Zeilen: „We wish you a merry Christmas, we wish you a merry Christmas and a happy New Year.“

Das Album wurde von den Stones als Gegenentwurf zu Sgt. Pepper’s von den Beatles geplant, bediente damit aber zugleich einen übergreifenden Trend des Musikjahres 1967: Der Psychedelic-Sound, ob nun von übermäßigem LSD-Gebrauch inspiriert oder nicht, stand hoch im Kurs. Ein weiteres Beispiel ist Pink Floyd mit dem damaligen Frontmann Syd Barrett. Die 1965 gegründete Band hatte sich ganz dem Psychedelic Sound verschrieben und veröffentlichte 1967 ihr erstes Studioalbum „The Piper At The Gates Of Dawn“, dem 1968 noch „A Saucerful Of Secrets“ in ähnlichem Stil folgen sollte.

Für die Rolling Stones blieb die psychedelische Phase Episode und auf dieses Album beschränkt. Das Album wurde zwischen Februar und Oktober 1967 in den Londoner Olympic Studios aufgenommen – unterbrochen wurden die Aufnahmen wiederholte Male durch Gefängnisaufenthalte diverser Bandmitglieder wegen Drogenbesitzes. Der zwei Jahre später verstorbene Brian Jones wurde noch im Oktober 1967 wegen Drogenbesitzes zu einem Jahr Haft verurteilt – eine Strafe, die schon kurz darauf aufgrund eines Gutachtens zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Auf keinem anderen Album experimentieren die Stones mit so vielen verschiedenen Stilen und Instrumenten. So kommen zum Beispiel eine Harfe, ein Cembalo, afrikanische Mellotrons und ein elektrisches Dulcimer zum Einsatz, mit dem Brian Jones in „Gomper“ Mick Jaggers Gesang kontert. Their Satanic Majesties Request ist das einzige Stones-Album, das von der Gruppe selbst produziert wurde. Ihr Produzent Andrew Loog Oldham hatte die Band während der Aufnahmen entnervt verlassen.

Die Produktion muss in der Tat chaotisch gewesen sein. Noch einen Monat vor der geplanten Veröffentlichung hatte die Band laut Brian Jones nichts Substanzielles zusammengefügt. Und Mick Jagger klagte im Nachhinein: „There’s a lot of rubbish on Satanic Majesties. Just too much time on our hands, too many drugs, no producer to tell us, ,Enough already, thank you very much, now can we just get on with this song?’“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.