„Their Satanic Majesties Request“ – Lennon und McCartney bei den Stones im Background-Chor

Das Innencover. Foto: Frank Behrens

Dennoch erreichte das Album 1967/68 beachtliche Ränge in den Album-Charts: Platz 4 in Deutschland, Platz 3 in England, Platz 2 in den USA, und sogar Platz 1 in Australien. Wer das Album heute hört, darf sich an einer von anderen Stones-Alben gänzlich unbekannten Vielfalt von Stilen erfreuen. Their Satanic Majesties Request ist mit Sicherheit das ungewöhnlichste Album der Band. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Stones später kaum ein Stück jemals live gespielt haben. Ausnahmen sind „She’s A Rainbow“, das zum Programm der „Bridges To Babylon“-Tour 1997/98 zählte und „2000 Light Years From Home“, das die Stones 1989/90 auf ihrer „Steel Wheels“-Tour spielten.

Interessanterweise sind die beiden Stücke auch genau die, die Weihnachten 1967 in den USA als Single ausgekoppelt wurden (A-Seite: „She’s A Rainbow“/B-Seite: „2000 Light Years From Home“) und Platz 25 der Single-Charts erreichten. Die zweite Single-Auskopplung war „In Another Land“, das erste von Bill Wyman geschriebene Stones-Stück, das vom Schnarchen des Autors beendet wird.

„Sing This All Together“ eröffnet das 44-minütige Album standesgemäß mit dissonanten Tönen. Im Backgroundchor des quicklebendigen Stückes dürfen John Lennon und Paul McCartney wirken – einmalig auf einem Stones-Album. „Citadel“ ist das wohl rockigste Stück der Platte, tontechnisch scheint es bisweilen auf dem Grat zur Übersteuerung zu wandern. Wymans „In Another Land“ bietet neben dem Schnarchen am Ende und überaus melodiösen Einschüben einen ungewöhnlichen Refrain, der fast frostig-erstarrt daher kommt. „2000 Man“ – „Man“ tatsächlich im Singular – ist ein leger dahin gespieltes Rockstück. Das folgende „Sing This All Together (See What Happens)“ ist das Gegenteil. Es nimmt den Opener wieder auf, es entfaltet sich nun aber eine große, achtminütige orchestrale Unordnung mit dem bereits erwähnten Subtext.

„She’s A Rainbow“ eröffnet die B-Seite und ist eine Rockballade im besten Sinn. Folgerichtig wurde es in den USA als Single ausgekoppelt. „The Lantern“ ist ein leises Stück, das sich seiner Melodie bewusst ist und mit elektronischen Effekten spielt. Auf „Gomper“ wird Jaggers Gesang wie bereits erwähnt von Jones’ Dulcimer-Spiel quäkend ausgebremst. „2000 Light Years From Home“ ist wieder ein rockiges Stück, B-Seite von „She’s A Rainbow“ auf der US-Single-Auskopplung. „On With The Show“ bildet den melodiösen Abschluss, verfremdet zu einem künstlichen Mittelwelle-Radiosound.

Die LP kostete 1967/68 stolze 21 Mark. Foto: Frank Behrens

Es lohnt sich immer wieder das Album zu hören. Ich mache es seit über 30 Jahren regelmäßig, oft mit langen Pausen. Langweilig war es für mich nie. Es ist sicher eines der am meisten unterschätzten, ungewöhnlichsten und wohl fast vergessenen Stones-Alben. Beggar’s Banquet kennt jeder. Their Satanic Majesties Request nicht. Übrigens habe ich das Album meines Vaters längst ersessen. Hören tue ich fast nur noch die in den späten Achtzigern erstandene Backup-CD. So schone ich das gute Stück, das zu den raren Exemplaren aus der ersten Serie mit 3D-Bild auf dem Cover zählt. 21 Mark hat mein Vater laut Preisschild 1967 oder 1968 für die Platte bezahlt. Übrigens – Sgt. Peppers habe ich auch längst. Als LP.

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Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.