Sat.1 Event Movie

In einem wilden Land – Powerfrau in Texas

Die Geschichte deutscher Auswanderer in Texas wäre der Stoff für eine gute Geschichte. Die Sat.1 Großproduktion und Regisseur  Rainer Matsutani machen daraus eine öde TV-Schmonzette.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Mila (Emilia Schüle), © Boris Guderjahn SAT.1

Mila (Emilia Schüle), © Boris Guderjahn SAT.1

1844 Weberaufstand. Der Weber Mats ((Jannis Niewöhner) wird vom Militär niedergeschossen „Geh nach Texas“, ist sein letzter Wunsch an seine Frau Mila (Emilia Schüle). Die macht sich dann auch gleich auf den Weg. Als Single darf sie nicht mit auf den Siedlertreck. Deshalb wird sie Dienstmagd bei Gräfin Cecilie (Nadja Uhl) und ihrem Gatten, Oberst Graf Arnim von Hohenberg (Benno Fürmann). Als der gewalttätige Preuße von Hohenburg wieder mal seine Frau in die Mangel nimmt, kommt Mila ihr zur Hilfe, brät dem Schurken eine Flasche über den Schädel und fügt ihm mit dem abgebrochenen Flaschenhals eine üble Halsverletzung zu. Die Frauen fliehen und geraten flugs in die Hände der Comanchen. Am Anfang sieht es übel aus, aber es ist eigentlich sofort klar, dass der jungen Indianer-Krieger Buffalo Hump (Wesley French) das Herz am rechten Fleck trägt. Vorhersehbar (wenn auch wenig glaubwürdig, na ja… vielleicht doch das Stockholm Syndrom),  dass sich Mila in den edlen Wilden verliebt. Da trifft es sich auch hervorragend, dass dieser akzentfrei deutsch spricht…

Bis zu einem gewissen Punkt kann man den Film noch als Hommage an die Sauerkraut-Western der 60er Jahre würdigen. Eine Brücke dorthin wird allein schon durch den DEFA Oberindianer Gojko Mitić geschlagen. Mitić darf hier den Federschmuck noch mal aufsetzen und den weisen Häuptling Tahmahkera mimen. Und schön fotografiert ist der Film auch. Gedreht wurde nicht an Originalschauplätzen sondern in Südafrika.

Buffalo Hump (Wesley French) & Mila (Emilia Schüle), © Boris Guderjahn SAT.1

Buffalo Hump (Wesley French) & Mila (Emilia Schüle), © Boris Guderjahn SAT.1

Wenn sich dann aber ein Indianerklischee ans nächste reiht, und alle Charaktere eindimensionale Stereotypen bleiben,  wird es doch sehr schnell langweilig. Die Powerfrau Mila scheint eine Zeitreisende aus dem Jahre 2013 zu sein, die mal eben in den Wilden Westen springt und zeigt wie Emanzipation so geht. Eigentlich ist das kein Wunder, denn am Drehbuch arbeitete Carolin Hecht mit. Und so lässt die Wanderhure schön grüßen.

Die hölzernen Dialoge finden ihren Höhepunkt im Finale. Der Friedensappell in der Wagenburg und die anschließenden Verhandlungen mit den Comanchen wirken wie aus einem pädagogischen Lehrstück, geschrieben von einem ambitionierten aber leider völlig unbegabten Volksschullehrer. Lächerlich wie aus preußischen Untertanen in Nullkommanix gute Demokraten werden. Dramatik geht anders.

Zu guter Letzt verdient  der Soundtrack noch besondere Erwähnung, denn der wird fast vollständig von „Kein schöner Land“ bestritten. Wenn das Motiv alle paar Minuten erklingt, droht es einem die Trommelfelle zu verkleben.

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.