Die Londoner Alternative-Rocker mit einem stadionreifen Auftritt

White Lies in München: Mehr Licht!

Der Titel des neuen Albums impliziert es schon: White Lies zeigen mit „Big TV“ Größe. Die Briten haben nach ihrem fulminanten Debüt „To Lose My Life“ (2009) und dem etwas schwächelnden Nachfolger „Ritual“ (2011) ein drittes Werk auf den Markt gebracht, das herrlich großkotzig daherkommt. Die Synthesizer sind fetter, die Beats druckvoller und überhaupt die Kompositionen präzise wie eine frisch geschliffene Rasierklinge. Klar, dass die Jungs auch auf der Bühne keine halben Sachen machen. In der Theaterfabrik in München statuierten sie am vergangenen Dienstag, den 11. November, ein Exempel.

München leuchtet - dank der White Lies (Foto: Daniel Dreßler)

München leuchtet – dank der White Lies
(Foto: Daniel Dreßler)

Es war ein dramaturgisch ausgereifter Abend. In der Exposition In The Valley Below. Die Gruppe aus Los Angeles als Vorband auszusuchen, erwies sich als echter Glücksgriff. Unaufgeregt, aber höchst konzentriert spielten Jeffrey Jacob und Angela Gail ihre Songs, die von Sehnsüchten künden. Der angedunkelte Pop-Rock mit Elektronik sowie der männlich-weibliche Wechselgesang ließen aufhorchen. In The Valley Below trafen genau den Punkt. Ihr Set-Up war nicht überambitioniert, aber auch nicht langweilig. Mit diesem Auftritt führten sie sich nicht nur dem deutschen Publikum glänzend ein, sondern auch zum Höhepunkt des Abends: den White Lies.

Diese zäumten Das Pferd von hinten auf. „To Lose My Life“ hätte gut als Rausschmeißer in der Zugabe stehen können. Doch die Band packt ihren ersten Hit gleich an den Anfang der Show. Damit lösen sie auch gleich ihr Versprechen ein: „Big TV“. Keine falsche Bescheidenheit, sondern ordentlich mit den Pfunden wuchern. Aus dem aktuellen Werk spielten sie nur die Sahnestücke: „Getting Even“, „Big TV“ und „There Goes Our Love Again“. Dazwischen erfreuten sie die eingefleischten Fans der proppenvollen Theaterfabrik mit ihren Klassikern der ersten beiden Alben, die sehr zu Freude des Sängers Harry McVeigh mitgesungen wurden.

Machten den stimmungsvollen Anfang: In The Valley Below (Foto: Daniel Dreßler)

Machten den stimmungsvollen Anfang: In The Valley Below
(Foto: Daniel Dreßler)

White Lies sind ihren Kinderschuhen entwachsen. Mit „Big TV“ haben die Indie-Rocker, denen zu Unrecht nachgesagt wird, eine der zahllosen Joy-Division-Epigonen zu sein, endlich den Mut zum Pathos und bombastischen Melodien aufgebracht. Dementsprechend nahm sich der Auftritt auch als ein optisches Feuerwerk aus – mit allem, was die Effektkiste hergab: Kunstnebel, satte Farbausleuchtung, LED-Wände, Stroboskop, Lasermaschinen.

Zeitweise beschlich einen gar das Gefühl, auf einer Rave-Veranstaltung zu sein. Doch handgemachter, elektronisch aufgehübschter Gitarrensound und eine alarmierend-verhallte Stimme passen gut zu einer Lichtshow, die nicht mit Watt- und Voltzahlen geizte.

Erkenntnis: Die Hallen werden den Jungs aus dem Londoner Stadtteil Ealing langsam zu klein. Mit ihrer Show könnten sie locker ein Kleinstadion bespaßen. Und irgendwie konnten die Besucher an diesem Abend vorausahnen, dass dies vielleicht bald schneller geschehen könnte als erwartet.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!