Gloriana – eine Oper für die Queen

Am 24. März hat an der Hamburgischen Staatsoper ein heikles Stück Premiere: die Oper „Gloriana“, Benjamin Brittens erster Misserfolg. 1953, nach gefeierten Uraufführungen unter anderem von „Peter Grimes“ und „Billy Bud“, musste der neue Stern am englischen Komponistenhimmel diese Kröte schlucken, ausgerechnet zur Thronbesteigung von Queen Elizabeth II.

„Gloriana“ war sogar von Covent Garden in Auftrag gegeben worden und wurde im Royal Opera House im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten für die junge Königin uraufgeführt.

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Aber: Die Queen zeigte sich über die Oper not amused, bei Kritikern und Publikum fiel sie ebenfalls durch. „Die Gala war ein widerwärtiges Ereignis“, schrieb Britten selbst dazu.

Was war geschehen?  Die Kritik richtete sich weniger gegen die Musik als gegen den Inhalt. „Gloriana“ erzählt die Geschichte von Queen Elizabeth I., der Namensvorgängerin von Elizabeth II., und ihrer Beziehung zu dem jungen Robert Devereux, Earl of Essex. Man erwartete ein patriotisches Werk, das eine Analogie zwischen der Glanzzeit Großbritanniens im 16. Jahrhundert und dem wiedererstarkenden British Empire unter der neuen Queen herstellte.

Stattdessen lieferte Britten ein psychologisch feinfühliges Stück ab, dass die alternde Elizabeth I. im Spannungsfeld zwischen privaten Gefühlen und politischen Zwängen zeigt und ihre nachgiebige Zuneigung für den Heißsporn Devereux, Fehler, Schwächen und Intrigen des Hofes in den Mittelpunkt rückt.

Queen Elizabeth I. alias Gloriana, Foto: Wikimedia Commons

Queen Elizabeth I. alias Gloriana, Foto: Wikimedia Commons

Nach der misslungenen Uraufführung wurde „Gloriana“ kaum noch auf die Bühne gebracht, bis heute konnte die Oper sich auf den Spielplänen nicht etablieren. Das soll nun anders werden. Zum 100. Geburtstag von Britten wird das Werk in einer Koproduktion der Hamburgischen Staatsoper und des Royal Opera House neu in Szene gesetzt, Regie führt der gefeierte Richard Jones. Karten gibt es im Vorverkauf und über die Staatsoper.

Man darf gespannt sein, wie „Gloriana“ diesmal aufgenommen wird. Amusio wird berichten. Queen Elizabeth II. jedenfalls hat die Gelegenheit, 60 Jahre nach ihrer Krönung ihr Urteil zu revidieren – die Londoner Premiere der Oper folgt im Juni.

Parallel zu den Hamburger Aufführungen laufen im Hamburger Metropolis Kino die „Elizabeth“-Filme von Shekar Kapur mit Cate Blanchett in der Titelrolle (29./31.3. und 5./7.4.). Jede Menge Gelegenheit also, in die englische Renaissance einzutauchen.

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Über Maike Steenblock

Freie Journalistin aus Hamburg. Studierte Klassische Philologie und Geschichte in Hamburg und Rom, schreibt über Food und jetzt auch über Musik. Spezialgebiet: Klassik