Buena Vista in Braunschweig

Bahama Soul Club – „The Cuban Tapes“

Zugegeben: Der ganze Hype um die alten Herren des Buena Vista Social Club ist mittlerweile abgeklungen. Trotzdem lässt einen die Musik nie so richtig los. Das liegt in erster Linie an der Atmosphäre, die von diesen Stücken ausgeht. Kubanische Musik klingt für deutsche Ohren in erster Linie nach heiße Nachmittage, nach Siesta und einem entschleunigten Lebensrhythmus. Aber es klingt auch ein bisschen gefährlich nach verrauchten Bars und Unterwelt. Und es klingt nach lauen Sommernächten. All dies haben der Bahama Soul Club auf „Cuban Tapes“ perfekt eingefangen. Nicht schlecht für deutsche Musiker.

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Heiße Rhythmen für die Bars und fürs Sofa: "Cuban Tapes" des Bahama Soul Club (Quelle: Buyu Records)

Heiße Rhythmen für die Bars und fürs Sofa: „Cuban Tapes“ des Bahama Soul Club
(Quelle: Buyu Records)

Ganz recht! Man muss diese Information erst einmal sacken lassen! Der Bahama Soul Club ist der Idee des Musikers Oliver Belz aus Braunschweig entsprungen, der dem Jazz und Bossa Nova verfallen ist. Tatsächlich ist er kein Erneuerer der Musik, eher ein typischer Konservator. Aber das macht er auf eine unverschämt charmante Art und Weise.

Denn „The Cuban Tapes“ vereinigen das lässige, scheinbar unbeschwerte Lebensgefühl am anderen Ende der Erdkugel mit europäischen Hörgewohnheiten. Dabei beginnt es mit „Ay Jona“ ziemlich klassisch, mit Anleihen an Sixties-Sounds à la Quincy Jones und Sergio Mendes.

Mit „I Warned You Baby“ und „La Serenata“ driftet man ein bisschen in den typischen Lounge-Sound von Saint Germain ab, während der Sprechgesang bei „That’s What We Need“ ein wenig an die Crossover-Pioniere von Us3 („Cantaloop“) erinnern.

Innerhalb der Platte wird der klassische kubanische Sound also immer stärker mit den technischen Mitteln der Neuzeit vermischt (nicht zuletzt beim dritten Teil der „Tiki-Suite“). Dieser Wandel vollzieht sich aber behutsam, ohne den Hörer zu schocken.

So zeigen „The Cuban Tapes“ einfach, mit welcher Zeitlosigkeit diese Musik gesegnet ist. Und dass es auch bei den eher unrhythmischen, und gerne ungelenk im Takt mitklatschenden Deutschen einige Künstler gibt, die Salsa im Blut haben.

VÖ: 08.11.2013 (Buyu Records/Al!ve)

Passend zum Video empfehlen wir fürderhin einen leichten Cocktail, einen klassischen Rum oder eine wohlriechende Zigarre.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!