Keynote

Taste the Waste in Fashion – Castingshows sind Müll!

Ach, menno! Ich bin unzufrieden mit dem Fernsehprogramm. Da möchte man es sich nach einem langen Wochentag, auf seiner Couch gemütlich machen und ausspannen, stattdessen bekommt man jedoch vermeintlich neue Showformate serviert, die man wirklich nur häppchenweise zu sich nehmen sollte. Denn sie lassen einen entweder – mit der Zähigkeit der Jupp Heynckes-Dankesrede bei der gestrigen Bambi-Verleihung – schlagartig einschlafen oder aber den Blutdruck so rasant in die Höhe steigen, dass gar kein fernzusehen, vielleicht mittlerweile doch die beste Option darstellt.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

 (Foto: ProSieben / Richard Hübner)

Claudia Schiffer mit den Coaches Uta Huesch und Sascha Lilic.
(Foto: ProSieben/Richard Hübner)

Auf RTL macht Dieter Bohlen seit Jahren den Alleinunterhalter. Die Konkurrenzsendern speisen uns mit singenden Amateuren und Semiprofessionellen, die sich momentan um einen begehrten Platz in der mittlerweile dritten Staffel der Musikshow ‚The Voice of Germany‘ battlen, ab.

Ich langweile mich furchtbar während gruselig interpretierter Ellie Goulding-Coverversionen, bei denen Töne produziert wurden, die einen hochschrecken lassen.

Nee, so hatte ich mir mein heimeliges Tagesende wirklich nicht vorgestellt. Ich möchte nicht Nena, den zwei Vögeln von BossyHossy (O-Ton die blonde Sunrise Avenue-Knalltüte, die die unfuckingfassbare Garvey-Type ersetzt hat) und dem peinlichen Max Herre (War der nicht irgendwann mal cool?) beim Altern zuschauen.

Während die Arabella-Nicole-Vera-Talkshows mittlerweile in der 90er Versenkung verschwunden sind und hoffentlich ewig dort verbleiben werden, funktionieren Castingshows, was die Quoten betrifft, scheinbar immer noch – nur nicht wenn Detlef D! Soost am Start ist. Pam, pam, pam!

Wer nicht singen kann, der hat vielleicht andere Talente, denkt sich die Branche. Diese Woche startete ‚The Taste‘ auf Sat.1. Da sitzen der dämlich labernde Tim Mälzer, die ewig streitenden Rivalen Alexander Herrmann und Frank Rosin(e), ergänzt durch die nervige Lea Linster, in der Jury, mampfen löffelweise Probegerichte der Kandidaten – die auch entweder Profis oder Laien sind – und langweilen die Zuschauer drei geschlagene Stunden mit Sprüchen nach dem Motto „Kennste den schon?“ und Dialogen, die Steffen Henssler alleine führen könnte – das macht die Flachwitzparade beim besten Willen nicht geistreicher.

 (Quelle: Wikipedia)

The Bosshoss sind in der Jury von ‚The Voice of Germany‘.
(Quelle: Wikipedia)

Die Jury sieht den Kandidaten erst, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, jedes Jurymitglied hat einen Button zum Drücken, es werden Teams gebildet und so weiter. Kommt einem irgendwie bekannt vor?…“This is the Voice…ups, nein! The Taste of Germany.“

Wenigstens haben sie als Jury nicht noch The Waste – also den seibernden Marquard, die Zacherl-Ziege und Kotaska, dem man manchmal nicht mal zutraut geradeaus laufen zu können, – von RTL2 geholt.

Sat.1-Muttifernsehen, macht einen auf jung, dynamisch und trotzdem verbraucht. Das muss man erstmal schaffen! Alle Promiköche haben uns nämlich auf den öffentliche-rechtlichen Sendern schon belästigt. Fehlen nur noch Lafer, Lichter und der besserwissende Schuhbeck; Zack, hat man das im letzten Jahr eingestellte Fomat ‚Lanz kocht!‘ wieder zurück. Hausfrauen dieser Welt vereinigt euch, schwingt Kochlöffel und Hüften!

Apropos Hüften: Probieren wir’s mal mit Schneidern, denkt sich da zeitgleich Schwestersender Pro7. Nein, wir sind hier nicht bei ‚Germany’s Next Topmodel‚, das wird immer wieder betont. Wir sind bei ‚Fashion Hero‘ (gesprochen Fäääschn Hiirouu).

Bei ihrem ersten Auftritt dachte ich noch, mein letztes Stündlein hätte geschlagen und der Allmächtige schreite mir, in völliger Dunkelheit, mit einem strahlenden Lichtkegel im Rücken, entgegen. Das war aber dann doch nur Claudia Schiffer.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.