Ein Live-Vergnügen auf der ganzen Linie

Konzertbericht: Die Höchste Eisenbahn in der Hamburger Molotow Bar

Lauter Gangster Hip-Hop schallt aus den Boxen der schummrig beleuchteten Molotow Bar in Hamburg und stimmt die Anwesenden auf das ein, was gleich kommen soll. Oder vielleicht auch nicht. Heute Abend stellen mit Francesco Wilking und Moritz Krämer alias Die Höchste Eisenbahn nämlich zwei äußerst versierte Songwriter ihr Debütalbum „Schau in den Lauf Hase“ live vor. Unterstützt werden sie von Felix Weigt (Kid Kopphausen, Spaceman Spiff) am Bass und Schlagzeuger Max Schröder (u.a. Tomte).

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Die Höchste Eisenbahn spielte ein tolles Konzert in der Molotow Bar. Quelle: http://www.tapeterecords.de / Patrick Jasim

Die Höchste Eisenbahn spielte ein tolles Konzert in der Molotow Bar.
Quelle: http://www.tapeterecords.de / Patrick Jasim

Was auf der im letzten Jahr veröffentlichten EP noch nach ungekünstelter, herrlich melodramatischer Singer-Songwriter-Manie klang, hat sich ein Jahr später zu einer poppigen, ungezwungen euphorischen Musik gemausert, die nach wie vor von verzwirbelt-poetischer Alltagslyrik lebt und der die vielen Instrumenten-Wechsel einen besonderen Charme verleihen. Diese Neuausrichtung hat den schönen Vorteil, dass man zur Musik besser tanzen kann und genau das merkt man auch im Laufe des Konzerts.

Los geht es mit „Aliens“ vom neuen Album und schon „Body & Soul“, der nächste Song, ist eines der Lieder, die zunächst noch ungewohnt für Die Höchste Eisenbahn klingen, um dann mit ihrem sympathischen Trash-Pop schnell ans Tanzbein zu appellieren. Nach „Jan ist unzufrieden“ richtet Felix Weigt das erste Mal das Wort ans Publikum: „Wisst ihr, die Leute auf der Bühne haben mehr Angst vor euch als ihr vor uns“, heißt es und schon hat er die volle Sympathie der Zuschauer.

Weiter geht es mit „Was machst du dann“. Die ganze Zeit über spürt man die Leidenschaft zum Musizieren, die die vier Künstler auf der kleinen Bühne ausstrahlen. Da werden Instrumente in fliegendem Wechsel eingesetzt, es wird immer wieder ein Spaß untergebracht („Halb Kaffee, halb Mensch“). Der eindringliche Nuschelgesang von Tele-Sänger Franceso Wilking kontrastiert ganz wunderbar mit dem unverkennbaren Timbre von Moritz Krämer. So wird jedem einzelnen Lied etwas Besonderes verliehen, Langeweile kommt gar nicht erst auf.

Mit „Isi“ dann ein Liebeslied auf der Setlist. Jetzt ist es für die vielen Pärchen an der Zeit, etwas näher zusammen zu rücken, während wild tanzende Mädels sich eine Pause gönnen. Das Publikum in der ausverkauften Molotow Bar ist an diesem Abend nämlich auch wunderbar verschieden: Kopfnickende Arme-Verschränker im mittleren Alter gesellen sich aufmerksam zu den ersten hysterischen Fans in den Mittzwanzigern.

Als „absoluter Smash Hit“ wird dann der Titel „Schau in den Lauf Hase“ angekündigt. Sehr synthielastig, mit einer fluffig-poppigen Melodie – was zur Folge hat, dass viel Bewegung in den kleinen Raum der Bar kommt.

Nach dem Song „Alle gehen“ ist es bereits an der Zeit für den letzten Titel. „Die Musikindustrie hat uns da ein sehr enges Korsett gesetzt“, scherzen die Musiker. „Die Uhren am Hauptbahnhof“ wird als abschließendes Lied gespielt: „Wenn wir uns so lange nicht sehen / Bleiben die Uhren am Hauptbahnhof stehen“, singt Wilking und doch klingt es nicht kitschig. Auch die italienischen Songtextteile des Songes werden laut geschrien, bevor es Zeit für den Abschied ist.

Es gestaltet sich ja stets schwierig, in einer kleinen Location den obligatorischen Abgang von der Bühne hinzulegen, ehe man überraschenderweise für eine Zugabe zurückkommt. Deshalb geben sich die Bandmitglieder kurz beschäftigt und inspizieren ihre Instrumente, ehe sie nach anhaltendem Applaus „verraten“, dass auch Zugaben von langer Hand geplant sind. Zum Abschluss performt Die Höchste Eisenbahn noch mal sehr eindrucksvoll „Der Himmel ist blau (wie noch nie)“ von der EP „Unzufrieden“.

Fazit: Ein Live-Vergnügen auf der ganzen Eisenbahn-Linie! So traurig man sein mag, dass das Konzert vorüber ist – Trost schafft nicht nur die Tatsache, dass Die Höchste Eisenbahn bereits im neuen Jahr wieder tourt – irgendwie scheint klar, dass wir von dieser jungen, talentierten Band noch sehr viel Erfreuliches hören werden.

Setlist:

1. Aliens
2. Body & Soul
3. Jan ist unzufrieden
4. Was machst du dann
5. Isi
6. Schau in den Lauf Hase
7. Die Nacht übertreibt
8. Pullover
9. Egal wohin
10. Alle gehen
11. Die Uhren am Hauptbahnhof

Zugabe
Der Himmel ist blau (wie noch nie)

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!