Emotional, epochal – im Juli wieder da?

Blue October kündigen Rückkehr auf deutsche Bühnen für den Sommer an

Das diesjährige „Bein“ ihrer „Sway“-Tour führt(e) die Texanischen Emo-Rocker und US-Mega-Seller Blue October leider nur nach Russland, Kiew, Deutschland und England. Rampensau Justin Furstenfeld ließ jedoch anlässlich des umjubelten Auftritts in Köln durchblicken, im kommenden Sommer nachlegen zu wollen. Zunächst nur ein schwacher Trost für all jene, die für die aktuelle Tour (KB-K Konzert & Künstleragentur) keine Karte mehr bekommen konnten, denn eins steht fest: Diejenigen, die das Privileg genießen, schon zurzeit dabei sein zu dürfen, werden alle kommenden Dates schon mal vorab okkupieren, denn: Blue October erweisen sich dieser Tage als die Live-Band mit dem höchsten Suchtfaktor urbi et orbi.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Emo pur: Blue October (Stephan Wolf)

Emo pur: Blue October (Stephan Wolf)

Mit einer Flasche „Sprite“ im Anschlag erwidert Gesangswunder Justin Furstenfeld nach einem anderthalbstündigem Set, über das noch zu sprechen sein wird, freundlich und verbindlich die Bitten Hunderter Fans nach noch mehr Nähe. Die allgemeine Rührung lässt sich in dicke Scheiben schneiden, doch Justin schleppt den schier unglaublichen Poser und Performer der Bühne nicht hinter sich her: Am Merch-Stand erweist sich sein Interesse an jedem Besucher, mit dem er bereits während des Konzerts Freundschaft geschlossen hat, als Bedürfnis, nicht als Last.

Blue October an dieser Stelle erklären zu wollen, verbietet das Format. Mit „Sway“, dem siebten Studio-Album, hat die Band das bislang beste Album ihrer Genese hingelegt (was man von jedem anderen zuvor auch hätte behaupten können, von dem zu glatten „Approaching Normal“ von 2009 vielleicht mal abgesehen). Und „Sway“ wird, von dem ein oder anderen Kracher („Hate me“, „Calling you“) unterbrochen, auch komplett dargeboten, und siehe und höre: Erst live entfalten die Songs ihre unermessliche Qualität. Wenn dann der allerletzte Song des Sets nicht etwa einem der vielen noch ungespielten Hits, sondern dem – vermeintlich – schwächsten Song von „Sway“, eine – scheinbare – Tralala-Nummer („Things We Do At Night“) gewidmet ist, so spricht dies für das Selbstvertrauen der Band.

Hat dir was zu sagen: Justin Furstenfeld (Stephan Wolf)

Hat dir was zu sagen: Justin Furstenfeld (Stephan Wolf)

Einer Band, in der allenfalls Schlagzeuger Jeremy Furstenfeld einen bedauernswerten Part abzugeben hat, beinhaltet die Melodik-Devotion der Songs kaum Entfaltungsmöglichkeiten, es scheint ihm aber nichts auszumachen, solange nur sein Bruder, Justin, den Laden rockt wie Sau – und Ryan Delahoussaye in Dreifachfunktion (Mandoline, Geige, Keyboard) kein Auge trocken lässt.

Justin Furstenfeld ist ein Phänomen. Mit einer Stimmgewalt und einer Präsenz ausgestattet, die kaum einen Vergleich zulässt, widmet er sich seinem Publikum in einer beinahe perfiden Art und Weise: Stets nah am Bühnenrand (von dem aus man bekanntlich niemanden – weiter unten – sehen kann) schaut er dir in die Augen, kommuniziert mit dir, ist für dich da, erzählt von sich – und du erkennst dich in ihm wieder, spürst, dass er auch von dir erzählt. Er interessiert sich für dich. Er will was von dir. Er fordert dein Feedback. Von dir ganz persönlich und von dir ganz allein – ein synergetischer Effekt – ganz gleich wie viele um dich herum stehen und rocken, und sich ebenso angesprochen fühlen! Da reichen weder Bono, noch Sting, noch Leto ran … was angesichts der enorm anwachsenden Popularität von Blue October keinerlei vermessenen Vergleich darstellt.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!