Kurioses aus den Psychedelic-Rock-Jahren 1966 bis 1972

Various Artists: „Love, Poetry & Revolution“

Was müssen das für verrückte Zeiten gewesen sein! Zumindest klingt der Sound aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren wie ein einziger rauschhafter Trip. Speziell die von dem englischen Label Cherry Red herausgebrachte Zusammenstellung „Love, Poetry & Revolution“ zeugt von einer gewissen Wildheit und ungezügelter Spielfreude. Selbst für die eingefleischten Fans der LSD-induzierten Musik lohnt sich der Kauf.

Ich bin ein Walross. "Love, Poetry & Revolution" (Quelle: Cherry Red Records)

Ich bin ein Walross. „Love, Poetry & Revolution“ (Quelle: Cherry Red Records)

Sampler aus dieser durchaus spannenden Zeit der Popgeschichte, in der völlig neue Klänge Einzug in die Rockmusik hielten, gibt es wie Sand am Meer. Bei dieser liebevollen Musikauswahl liegt die Sache aber etwas anders: Hier wurde chronologisch vorgegangen: CD eins beleuchtet die Anfänge von ’66 bis ’68, CD zwei widmet sich dem Höhepunkt der Strömung anno 1969, und die letzte CD dokumentiert das langsame Abklingen dieser ersten Welle und den Einfluss, den Psychedelic-Rock auf Musiker der 70er-Jahre hatte.

Zwar finden sich mit Hawkwind und The Spencer Davies Group auch ein paar bekannte Namen, das Feld wird aber hauptsächlich von solchen kuriosen Bands wie The Piccadilly Line, West Coast Consortium oder Czar angeführt. Viele Songs wurden bislang noch gar nicht veröffentlicht.

Dank sei dem Zusammensteller an dieser Stelle explizit gesagt. „Love, Poetry & Revolution“ hält, was der Titel verspricht. Diese Dreier-Box schafft es, den unglaublich kreativen Zeitgeist wiederzugeben. Man wird das Gefühl nicht mehr los, als seien die Musiker in ihrem Ausdruck freier und unkonventioneller, als es manch aktueller Alternativ-Rocker je in seinem Leben sein wird.

Von Marihuana umwölkter Folk-Pop, bewusstseinserweiternder Jazz Rock, abgefahrener Space-Sound: Hier wurde Musik auf eine neue Ebene gehievt. „Love, Poetry & Revolution“ verdichtet diesen Werdegang der britischen Underground-Kultur und macht daraus eine dynamische Zeitreise. Außerdem zeigt der Sampler auch, wie viel Auswirkung dieser kleine Abschnitt der Geschichte auf die nachkommenden Musiker-Generationen hatte. Gutes bleibt eben. Irgendwie.

VÖ: 29.11.2014 (Grapefruit/H’Art)

Auch mit dabei. The Crazy World Of Arthur Brown. Aber nicht mit dem abgenudelten „Fire“, sondern dem musikalisch viel intensiveren „Devil’s Grip“. Ein Song, der Deep Purple sicher beeinflusst hat.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!