Spiritual Front - Simone zieht den Anzug aus

Italienischer Schwerenöter zwischen Caligula und Berlusconi

Plötzlich und unerwartet zieht Simone Salvatori alias Spiritual Front sämtliche Register aus seiner ach so schwarzen Seele: mit „Black Hearts in Black Suits“ (Rustblade / Broken Silence) betitelt, vergewaltigt der Römische Vollblut-Sexist, auf seiner neuen CD, vorgeblich weise von Stefano Puri bekomponiert, eine geifernde Reihe aus klassischen Themen und großartigen Songs (aus teilweise fremder Feder ….), die aus einem trüben Nachmittag ein heißes Eisen schmieden. Wenn es je einen Bedarf an akustischer Untermalung masturbatorischer Freude an Selbstmitleid und Larmoyanz gegeben haben sollte: Hier habt Ihr die Vollbedienung! Leider erst ab Ende Januar erhältlich, als CD, LP und zwei unterschiedlichen Boxsets.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Braucht noch jemand nen Fick? (Rustblade)

Braucht noch jemand nen Fick? (Rustblade)

Gut, Simeones Gesangskompetenz ist überschaubar (aber Sinatra hat ja auch nie einen Ton getroffen), umso verwegener und spannend sein Versuch, eine Reise durch die Gefilde tiefster Song-Depression zu unternehmen. Und – diese Reise tut wohl, die Verweise auf Franz Schubert (Songwriting), Arvo Pärt (Konsequenz), David Tibet (Atmosphäre), Marc Almond (Sex) und
Nick Cave (ins Schöne gewendete Verzweiflung) bestätigen sich vortrefflich, dieses Album ist ein Vademecum.

Simone kommt diesmal ohne seine notorisch durchsexualisieren Schweinereinen aus, und weiterhin ohne den Komplett-Gaga-Nihilismus früherer Schaffensphasen („Nihilist Cocktails for Calypso Inferno“). Er wird sich auch weiterhin diversen Schuhwürfen ausgesetzt sehen; dass er seine Musik aus den Hoden auszuscheiden scheint, polarisiert per se. Dabei bleibt seine Message klar: Freie Liebe oder Suizid.

Wer ist der Bösewicht? (angst-im-wald)

Wer ist der Bösewicht? (angst-im-wald)

Gefällt euch wohl nicht?! Der „Armageddon Gigolo“ (Spitzen-Album von 2006) will aber gefallen. Will verführen. Dem Tränental entkommen, mit tränen- und spermageschwängerter Lust am Song und Charme! Bitte selbst auf die Reise gehen, entdecken … „Each man kills the thing he loves“, erinnert sich noch jemand an Fassbinder und seinen letzten Film, „Querelle“?! Er, Fassbinder, hätte sich auf „Black Hearts in Black Suits“ ordentlich einen getrunken.
La la la, la la la la …

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