Ein Dauerbrenner der Musikgeschichte - von Claire Rothrock bis zur Groove Armada

At the river: Ein Lied geht um die Welt

Old Cape Cod – Der Titel des 1957 von Claire Rothrock, dem Ace-Studioleiter Milton Yakus in Boston und dem Komponisten Allan Jeffrey auf den Weg gebrachte Song erzählt mehr als eine halbe Wahrheit, denn die in der Eiszeit ausgebildete sichelförmige Bucht des heutigen Bundesstaats Massachusetts war der Anlaufhafen für die Pilgrimfathers im Jahr 1620, die dort den Hafen und die Stadt Provincetown begründeten. Eigentlicher Katalysator für den Erfolg des zunächst unscheinbaren Lieds war allerdings Patti Page (1927 – 2013), die Claire Rothrock Text und Noten in einem Bostoner Nachtclub, wo diese sang, sehen liess.
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Cape Cod mit Provincetown: Anlass zu einem Evergreen mit großer Breitenwirkung

Cape Cod mit Provincetown: Anlass zu einem Evergreen mit großer Breitenwirkung (USGS)

Nach Pages eigener Aussage wusste die amerikanische Sängerin nichts von Cape Cod, bevor sie nach dem unvorhersehbar phänomenalen Erfolg ihrer Single-Platte, auf der der Song mit dem Titel „Wondering“ gekoppelt erschienen war, zum ersten Mal dorthin kam: Das Gefühl bei der Einspielung spiegelte sich in diesem Besuch, denn die Magie des Ortes hatte sie bereits in ihrer Studioaufnahme erspürt. Nicht von ungefähr endete jeder Vers mit dem Refrain „You’re sure to fall in love with old Cape Cod“, denn die Musikerin hatte sich sofort, nachdem sie die Noten gesehen hatte, in Cape Cod und seine imaginären wie tatsächlichen „quaint little villages“ regelrecht verliebt. Page war es, die so eine bislang wenig bekannte Gegend überhaupt erst in die Landkarte eingeschrieben hat; unmittelbar danach folgte Bing Crosby mit seiner Version für das Radioprogramm des CBS. Fast gleichzeitig adaptierte es weniger erfolgreich Michael Holliday für Grossbritanniens Musikszene. Der touristische Boom am Ort der Träume setzte dank Page auch bald ein …

Noch lange bevor aber die Groove Armada 1997 vor dem Kap einlief,  kam es zum Revival des Hits durch Susan Barrett, die ihn in ihr Album A Little Travellin‘ Music aufnahm. Jerry Vale und Bobby Rydell zeigten sich durch ihre Interpretationen 1963 ebenfalls in seinen Bann gezogen. Und selbst, wenn man „At the river“, wie das Lied bei Groove Armada genannt wurde, noch nie zuvor bewusst gehört hat, kommt es einem einheimelnd-vertraut vor.

1965 tauchte es schliesslich in einer Version der Band Four Freshmen im Film The Wonderful Men in Their Flying Machines auf, in den 2000er Jahren übrigens noch in verschiedenen Filmen, und Robert Goulet benutzte es in demselben Jahr 1965 für sein Album Summer Sounds, genauso Jane Morgan. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen… Auch Bette Midler und Anne Murray zog es in seinen Bann. Mit ihrem Sampling unter dem Namen „At the river“, der den Song in eine englische Flusslandschaft im Frühling versetzte, sorgte die britische Formation Groove Armada letztlich für den heute noch anhaltenden Erfolg des Ohrwurms, zu hören etwa auf ihrem Live-Album The Best of (B0002BK9H6, 2004).

If you’re fond of sand dunes and salty air, Quaint little villages here and there, You’re sure to fall in love with old Cape Cod.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.