Kathrins kontemporäre Kultur-Kolumne

Deutschland gegen England… und am Ende gewinnen die Engländer

Im Fußball ist die Sache klar: 22 Mann spielen 90 Minuten gegeneinander und am Ende gewinnen die Deutschen. Aber trifft das auch auf den Musikgeschmack der beiden ewigen Kontrahenten zu? Gehen die Engländer hier auch so gnadenlos unter, vielleicht sogar gegen die B-Mannschaft? Zeit für einen klischeebehafteten Einblick in die Gehörgänge beider Nationen.

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Am Dienstag haben die Deutschen gewonnen, heute die Engländer / Grafik: Kathrin Tschorn

Am Dienstag haben die Deutschen gewonnen, heute die Engländer / Grafik: Kathrin Tschorn

Deutsche gehen zum Lachen in den Keller. Engländer haben alle schlechte Zähne. Deutsche sind voll „deutscher“ Tugenden. Engländer kochen grässlich.

So viel zu den Vorurteilen. Allerdings scheint sich der schlechte Geschmack der Insulaner in Bereichen der Kulinarik nicht auf den musikalischen übertragen zu lassen. Im Vereinigten Königreich finden wir die schnellsten Charts der Welt: Die Nummer 1 wechselt ständig, da wird mit harten Bandagen gekämpft. Macht das den Output besser? Oder sind die Engländer gar ein wankelmütiges Völkchen?

Wechselhaftigkeit gegen Gemütlichkeit

In Deutschland läuft’s in den Hitlisten gemütlicher ab, vor allem bei den Longplayern setzt sich gerne mal ein Favorit wochenlang an die Spitze – und niemand kann sich erklären, wer das Album überhaupt kauft. Haben wir hierzulande etwa zu wenig Auswahl? Kaum zu glauben in einer globalisierten und vernetzten Welt. Ist des Deutschens Behäbigkeit, seine Vorliebe, lieber bei Bewährtem zu bleiben, ein Beweis für seinen überlegenden Musikgeschmack? Oder zeugt die englische Hüpfnatur von Neuem zu Neuerem von besonderer musikalischer Treffsicherheit?

Ein kontemporärer Vergleich beider Nationen

Werfen wir einen Blick auf die dieswöchigen Top5 beider Länder:
Deutschland: 1. Jubel – Klingande, 2. Hey Brother – Avicii, 3. The Monster – Eminem feat. Rihanna, 4. Stolen Dance – Milky Chance, 5. Bonfire Heart – James Blunt
UK: 1. Animals – Martin Garrix, 2. Somewhere Only We Know – Lily Allen, 3. How Long Will I Love You – Ellie Goulding, 4. The Monster – Eminem feat. Rihanna, 5. Move – Little Mix

Außer bei Eminem scheinen sich Insulaner und Kontinentale musiktechnisch nicht einig zu sein. Und was sagt es eigentlich über beide aus, dass ausgerechnet ein homophober amerikanischer Rapper die Schnittmenge bildet?

In der Geschichte haben die Engländer das bessere Torverhältnis

Da bleibt nur ein Blick in die Vergangenheit: Was haben Deutschland und England selbst an Musik auf den Platz gestellt, die auch auswärts punkten konnte? Auf deutscher Seite finden wir folgendes Team: Nicole, Boney M., Crazy Frog, Kraftwerk, Nena, Snap!, Culture Beat, Lou Bega und Cascada. Die Mannschaftsaufstellung der Engländer ist da schon wesentlich beeindruckender: Queen, The Beatles, Robbie Williams, One Direction, Black Sabbath, Bee Gees, Coldplay, Deep Purple – und die B-Mannschaft weist ähnliche Qualitäten auf.

Die alte Fußballweisheit gilt bezüglich des Musikgeschmacks also nicht: Bei diesem Spiel gewinnen am Ende nicht die Deutschen. Die Engländer können sich über die Trophäe freuen, denn so sehen Sieger aus. Glücklicherweise können wir hierzulande auch von den musikalischen Erzeugnissen der Engländer profitieren, sie aber nicht vom Talent der deutschen Fußballnationalmannschaft.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.