Das Methörnchen

Metal Fetisch – Genres für alle!

Die Metal-Szene besteht aus Sammlern. Wenn man von der Kutte dank lauter Patches nichts mehr sieht, der Kleiderschrank nur noch aus Band-Shirts besteht und der Arm mit den Festivalbändchen seit Jahren auch im heißesten Sommer kreidebleich bleibt, kann der gemeine Wald- und Wiesen-Metaller weder genug Stoffaufnäher, Stoffoberteile und Stoffbändchen haben, sodass man sich einmal fragen müsste, ob er nicht besser in einem Handarbeitslädchen aufgehoben wäre.

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Foto: Markus Lauert

Foto: Markus Lauert

Andererseits hat dieses Verhalten natürlich seine Berechtigung, denn das richtige Festivalbändchen-Aroma entwickelt sich erst nach zwei bis drei Jahren Tragezeit und eine Stückmenge jenseits der einstelligen Bereiche, also dort, wo es nach dem zehnten Bier schwierig wird nachzuzählen, wirkt lächerlich. Da könnte man ja gleich Nickelback hören.
Einmal traf ich einen Metaller, der aus den Aufreisslaschen von Bierdosen eine Art Kettenhemd zusammen geschustert hatte. Das war schon ein Extremfall, aber eine Sache sammeln die meisten Metalhead, und dass sind Genres. Man kann davon ja gar nicht genug haben. Hipster stapeln ihre Jute-Beutel, Business-Damen ihre Schuhe und wir stehen vor einer imaginären Schubladen-Schrankwand, an der wir alle naselang neue Schubladen anbringen, während wir vor andere Vorhängeschlösser hängen oder liebevoll über das Furnier streicheln. Dabei ist die Menge möglicher Genres grundsätzlich unendlich, denn ständig entstehen neue scheinbar aus dem Nichts, wie zum Beispiel vor einigen Jahren der Djent, und wieder andere entwickeln sich durch Kreuzungen, man denke an Folk Metal.

Man kann natürlich alles so weit unterteilen, dass jede Band ihr eigenes Genre aufgedrückt bekommt, in dem sie sich austoben kann, wie sie mag. So entstanden Wortkreationen wie Battle, Love oder Pirate Metal. Das führt die Idee der Genre-Unterteilungen ad absurdum, wodurch gerade Szene-Fremdlinge oder Neulinge zu der Aussage neigen, dass es nicht auf das Genre ankomme, sondern auf die Musik.

Gänzlich falsch ist das natürlich nicht, aber letztlich dient das Genre-Schubladen-Denken dazu, Ordnung in das Band-Gewusel der letzten Jahrzehnte zu bringen. Hinzu kommt, dass die Szene mehr oder weniger aus vielen kleinen Sub-Szenen besteht, was vor allem Einfluss auf die Konzert und Festivalkultur hat: Ein Nightwish-Fan wird wohl kaum etwas mit einer Band wie Graupel anfangen können, weshalb die meisten Festival-Line-ups sich an Genre- und Szene-Grenzen orientieren.

Genre-Denken und Metal-Szene, das gehört zusammen und stellt die Form von Geheimwissen dar, die den Szene-Kenner vom Neuling unterscheidet. Vielleicht ist es auch deshalb so wichtig, dass es möglichst viele, komplizierte Unterteilungen gibt, damit man allabendlich damit angeben kann. Auch wenn Sätze wie „Der kann Porngrind nicht von Goregrind unterscheiden, was ein Idiot!“ eher selten fallen.

 

 

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Über Markus Lauert

Westfälischer Lehramtsstudent, der neben seinem Studium journalistische Erfahrungen sammelt. Aus dem Metal-Bereich kommend, unternimmt er immer wieder Reisen in fremde Musik-Genres. Wohl fühlt er sich ebenfalls mit Postrock, Folk und Filmmusik.