Die ruhige Kraft der Musik

Internationales Gamelan-Festival in Kassel eröffnet

Gestern Abend eröffnete das Ensemble Manya Sewu in den Räumen des Kasseler Kunstvereins im Fridericianum mit seinem Konzert das Erste Internationale Gamelan-Festival in Kassel. Dabei ließ es das faszinierte Publikum spüren, dass diese javanische Musik einst die Kraft besessen hatte, die europäische Musikkultur nachhaltig zu verändern. Die Faszination, die Claude Debussy empfunden haben muss, als er 1889 der Gamelanmusik auf der Pariser Weltausstellung erstmals begegnete, war deutlich zu spüren. Die meditative Kraft dieser Musik schwang, genau die großen hängenden Kesselgongs des Ensembles, noch lange nach.

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Instrumente des Kasseler Gamelanensembles Manya Sewu (Foto: Wolfram Boder)

Instrumente des Kasseler Gamelanensembles Manya Sewu (Foto: Wolfram Boder)

Einen großen Anteil daran hatten die Musikerinnen und Musiker von Manya Sewu. Unter der Führung des bekannten Minimal Music-Komponisten Ulli Götte musizierten Birgit Heintel, Elfriede Ittner, Anja Koop, Frieder Krauss, Anke Lacayo, Joanna Richter, Sabine Töppel, Anne Vigier und Jochen Zülch mit ruhiger Souveränität und erlaubten der Musik so, ihre volle Wirkung zu entfalten. Durch ihr unaufdringliches aber wirkungsvolles Spiel traten sie gewissermaßen als individuelle Musiker hinter die Musik zurück. Das machte den Abend so eindrucksvoll.

Auch das Programm war geschickt gewählt und aufgebaut. Das erste Stück, das traditionelle „Gangsaran“, bei dem die großen Kesselgongs begannen und die anderen Instrumente des Gamelanorchesters sukzessive einsetzten, ließ die musikalischen Strukturen der Gamelanmusik sehr deutlich erkennen. Zwei weitere traditionelle Stücke vertieften diesen Eindruck, bevor Göttes Transkription von Béla Bartóks Stück „Five-Tone Scale“ aus dem „Mikrokosmos“ für Gamelanorchester und die Uraufführung von Göttes Komposition „Suite Part III“ deutlich machten, dass diese Musik noch immer lebendig ist. Drei weitere traditionelle Stücke sowie Symon Clarkes Originalkomposition für Gamelanorchester „Strange Attractor“ aus dem Jahr 1996 bestätigten diesen Eindruck nach der Pause.

Zu einem vertieften Verständnis trugen auch Göttes kurze Erläuterungen bei, die er zwischen den einzelnen Stücken dem Publikum bot. Die Musiker tauschten in diesen Pausen ihre Instrumente, was, wie Götte erklärte, eine Verneigung vor dem für diese Musik zentralen Instrumentarium war.

Das Einfühlen in diese großartige Musik wird bei diesem Festival auch durch zwei kleine Ausstellungen befördert. Im Foyer werden Fotos von Jochen Zülch gezeigt. Diese eindrucksvollen Bilder aus Bali und Java zeigen das Umfeld, in dem die Gamelanmusik sich bis heute entwickelt. An der Rückwand des Konzertraums sind aus Leder gefertigte Figuren des Künstlers Ki Ledjar Subreoto aus Yokjakarta zu sehen. Sie gehören zum traditionellen Schattentheater, von dem die Gamelanmusik oft begleitet wird. Heute Abend besteht die Möglichkeit, bei einem Vortrag von Ulli Götte (18.30 Uhr) und dem Konzert des Amsterdamer Ensembles Widosari (20 Uhr) weiter in diese faszinierende Musikwelt einzutauchen.

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