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War er schon immer wahnsinnig? – Der tiefe Sturz des Olli Schulz

Früher war alles besser. Falsch, nicht alles. Aber eines ist sicher, es gab mal eine Zeit, in der Olli Schulz die Attribute geistreich und kreativ verdiente. Das ist lange her.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

 (Foto: Heiko Richard)

Sieht aus, als ob er kein Wässerchen trüben könnte: Olli Schulz.
(Foto: Heiko Richard)

Mit den Jahren wird man klüger. Das ist beim alternden Selbstdarsteller Schulz nicht der Fall. In der ProSieben Show ‚Circus HalliGalli‘ (formerly known as ‚MTV Home‘ oder ’neoParadise‘) versuchen Klaas, Joko und eben auch Olli, sich in Dämlich- und Abartigkeit zu übertreffen, gepaart mit langweiligen Mainstream-Auftritten und Gästen auf der Couch, die nicht mal Markus Lanz einladen würde – ProSieben reicht bekanntlich gerne seine vermeintlichen ‚Stars‘ herum und macht eine eigene Dauerwerbesendung daraus.

Da hampelt Olli nun als Sidekick gelegentlich durch dieses gehypte TV-Format, verschreckt wahlweise Unschuldige als geisteskranker Motivationstrainer Oliver Stark, der rohes Fleisch verzehrt bis sich das Publikum übergibt. Oder er beehrt uns mit Gedichten, die zwar sein Talent erahnen lassen, aber einfach viel zu gewollt sind. Der blindkonsumierenden Masse gefällt das selbstverständlich.

Was die Wenigsten wissen werden: Mit seinem Debütalbum ‚Brichst du mir das Herz, dann brech’ ich dir die Beine‚ setzte Olli Schulz mit Max Schröder, mittlerweile festes Mitglied bei Tomte, 2003 neue musikalische Maßstäbe als Duo Olli Schulz und der Hund Marie.

Mit einer herausragenden Gabe für Texte, gekonntem Witz und besonderem Gespür für Melodien, überzeugten die beiden Musiker vom Grand Hotel van Cleef-Label mit Titeln wie ‚Weil die Zeit sich so beeilt‘, ‚Song ohne Grund‘ oder ‚Küss mich schnell bevor du platzt‘ (mit Nora Tschirner). Auch die weiteren Platten, ‚Das beige Album‘ und ‚Warten auf den Bumerang‘, waren klangvolle Singer-Songwriter-Kleinodien.

Olli Schulz und der Hund Marie (Foto: Felix Gebhard)

Olli Schulz und der Hund Marie
(Foto: Felix Gebhard)

Doch bereits vor vier Jahren, als Olli Solo beim Bundesvision Song Contest mit ‚Mach den Bibo‘ antrat und die Charts erreichte, musste selbst der geneigte Fan feststellen: Fremdscham ist grenzenlos. Seitdem geht es steil bergab. Nicht in Bezug auf den Erfolg, sondern das Niveau. Denn Olli Schulz kann viel mehr.

Liebe Leute, was einem da im Primatfernsehen, nein Privatfernsehen, vorgesetzt wird ist weder mutig, noch besonders zynisch. Provozieren ist heutzutage einfach. Jedenfalls, wenn man sowieso keine Grenzen mehr hat – bestes Beispiel ist momentan Miley Cyrus.

Allerdings war man von Olli Schulz ursprünglich anderes gewohnt. Mittlerweile würde man ihm auch zutrauen, auf einer Abrissbirne nackt durchs Studio zu schwingen. Auf der anderen Seite, fühlte sich der ursprüngliche Fan beim Rangel Song fast schon an gute, alte Zeiten erinnert. Jedoch, immer nur die gleichen Zeilen auf repeat, wirkte der Track in der Sendung dann ziemlich schnell eintönig.

So möchte ich mit der liebevollen Ansage enden, die ein genervter Fan auf einem Olli Schulz-Konzert vor neun Jahren machte: „Hör auf zu labern und sing endlich, du Idiot!“


‚Der Moment‘ war 2003 die erste Single von Olli Schulz und der Hund Marie.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.