Das gelungene Werk des unbekannten Trance-Meisters

Dani Corbalan: „Back From The Depths“

Vielleicht ist Dani Corbalan ein verkanntes Genie. Denn schenkt man der Presseinfo Glauben, so hat der Mann aus Spanien bereits in jungen Jahren damit begonnen, Tracks zu bauen. Mit 13 schaffte er es sogar, einen Song-Wettbewerb zu gewinnen. Doch mangelnder Erfolg führte dazu, dass der junge Mann die Musik zeitweise an den Nagel hing. Aber die Inspiration und die Freude kehrten zurück. Deswegen gehört seine EP „Back From The Depths“ zu dem besten, was die Trance-Szene derzeit zu bieten hat.

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Trance auf höchstem Niveau. Dani Corbalan ist genial – nur weiß das noch keiner. „Back From The Depths“ zeigt sein ganzes Talent (Quelle: Dirty Cat Records)

Selbstkritisch ist Dani. Er weiß, dass er den kommerziellen Erfolg anderer Trance-Produzenten nicht erreichen wird. Seine Musiksoftware ist veraltet und seine Songs zu fordernd, um dem Massengeschmack der Szene-Gemeinde zu entsprechen. Aber gerade das macht seine Musik so besonders.

Wir haben es Dirty Cat Records zu verdanken, dass dieser Mann nach Jahren des Darbens endlich eine Heimat gefunden hat. „Back From The Depths“ – der Titel umschreibt Corbalans momentanen Zustand: Raus aus einer dunklen Höhle, raus aus der Depression.

Dementsprechend klingt die EP wie ein musikalischer Befreiungsschlag. Der Mann bleibt dem Trance verbunden, hat die Scheuklappen aber abgelegt und blickt sich um. „Guivosa“ ist das Ergebnis. Zu progressiven House-Beats und verhallten Gitarrenriffs gesellt sich ein funkig-verträumtes Saxofon dazu. Balearic-Sound, wie er besser nicht sein kann.

Aber Dani ist und bleibt seinen Wurzeln treu. Das wird nicht zuletzt durch das Stück „Zombie“ deutlich. Der klare Frauengesang, die tröpfelnden Pianolinien, die fordernden Beats: das alles ist Trance der alten Schule. Auf die Spitze treibt Dani diesen Fortschritt mit „Don’t Break It“. Fordernde Stakkato-Sequenzen münden in eine klassische Streicher-Linie, die einem Ferry Corsten zur Ehre gereichen würde.

Der vielleicht emotionalste Moment aber bildet „To My Father“, das eines der schönsten String-Melodien behrbergt, das jemals auf Erden komponiert wurde. Ohne Beats, ohne Schnörkel. Unheimlich traurig und erhaben zugleich.

Auf „Back From The Depths“ ist sich Dani Corbalan selbst ein Stück näher gekommen. Die Verbundenheit seiner Songs mit sich selbst ist in jeder Note hörbar. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses geniale Talent mehr Zuhörer findet. Zu wünschen wäre es ihm.

VÖ: 1. Dezember (Dirty Cat Records)

Um einen Eindruck vom Melodie- und Klangverständnis Corbalans zu bekommen, empfiehlt es sich, in einen alten Track von ihm reinzuhören: „Malevolent“

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!