Stephans stramme Saiten

Die große Meinungsfeigheit

Words of Mouth (de.m.wikipedia.org_jotquadrat)

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Substitutionen
Persiflage und Parodie werden denen überlassen, die selbst am Tropf der Medienmaschinerie hängen. Wenn (im weitesten Sinne) Satiriker eine Zote nach der anderen ablassen, wenn Oliver Kalkofe, Atze Schröder oder Ingo Appelt loslegen, um die Unterhaltungshülsen des Mainstreams verbal zu züchtigen, schlägt sich das Volk auf die Schenkel, genauso wie es die Versteher im Publikum des „politischen Kabaretts“ zu tun pflegen. Aber es ist doch ein und dieselbe Mischpoke, die da meinungsbildend wirksam wird. In Abwandlung der Goldtschen Beobachtung ließe sich konstatieren: Als freundlicher und weltoffener Mensch sagt man nicht „ich finde XXX zum Kotzen, weil …“ (Begründung), sondern: „hast du gesehen, wie der XXX gestern auf PRO 7 den XXX verarscht hat?“.

Und dann gibt es noch die vorgeblichen Totalverweigerer, also diejenigen, die entweder keinen Fernseher im Hausrat vorzuweisen haben (wollen) oder ausschließlich arte und die Tagesthemen schauen. Und somit das Recht auf Mitsprache tatsächlich verwirkt oder, diese verlogenen Lumpen scheinen in der Überzahl, doch zu allem eine Meinung zum Besten zu geben haben, jedoch weder eine fundierte, noch eine, die sie nicht woanders aufgeschnappt haben (wahrscheinlich beim Lesen des Feuilletons der F.A.Z.).

Einfacher: in vino veritas (consenser.org)

Einfacher: in vino veritas (consenser.org)

Ich möchte in keinem Land leben, in dem man sich bei einem netten Beisammensein unter Freunden oder Kollegen oder beim spontanen Small-talk auf der Party oder im Zug nicht dazu bekennen darf, ein Erzeugnis der (Un-)Kulturmaschinerie als verwerflich und übel zu erachten. Und es zudem als wünschenswert deklariert, wenn die eigene Meinung Schule machen könnte, ohne von seinen Gesprächspartnern umgehend als ignorantes Arschloch oder kulturkonservativer Nerd abgestempelt zu werden. Die große Meinungsfeigheit? Ohne mich, ich wandere aus und ziehe woanders gegen all den Konsenz-Dreck vom Leder, den es überall anzuklagen und argumentativ zu vernichten gilt.

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