Bis auf den letzten Platz besetzt

Festliches Vorabendkonzert des Collegium Musicum zum 1. Advent

Das diesjährige Adventskonzert des Collegium Musicum Erfurt fand wieder im altehrwürdigen Rathaussaal statt, einem der schönsten und kostbarsten Sitzungs- und Festsäle deutschlandweit. Das buntgemischte Programm für Streichorchester und Solisten umfasste Werke der Barockzeit, der Vorklassik, der Romantik und der Moderne des 20. Jahrhunderts, als Dirigent stand wieder der äußerst sympathisch auftretende und ganz der Musik verschriebene junge Juri Lebedev am Pult, seine Frau übernahm die Solistenpartie in „Pie Jesu“ aus Faurés Requiem op. 48, begleitet vom Frauenchor „Lyra“.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

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Fanny Dinter und Eva Pfannerstill spielen Telemanns Konzert G-Dur für zwei Violas und Streicher. (H.-P. Mederer)

Nicht gerade oft erklingt das Orchesterquartett von Carl Stamitz, dem Sohn von Johann Stamitz, ältester Komponist der innovativen Mannheimer Schule, der quasi noch vor Haydn den Weg zur Wiener Klassik bereitete, insofern eine glückliche und interessante Wahl zur Eröffnung des Abends. Moderat und ambitioniert führte Juri Lebedev sein Orchester über einige Klippen hinweg. Die einzelnen Teile des dreisätzigen Werks hätten lediglich dynamisch etwas entschiedener voneinander abgesetzt werden können.

Agogisch und in der Feinabstimmung der Musiker untereinander perfekt umgesetzt erschien Georg Philipp Telemanns Konzert in G-Dur für zwei Violas und Streicher, bei dem auch die Solistinnen sich sehr gut aufeinander eingestimmt hatten – der Glanzpunkt dieses Abends. Pergolesis Stabat Mater, in der Adventszeit eher ungewöhnlich, wurde vom Frauenchor unter Leitung von Anastassia Sorina und dem Kollegium in der angemessenen Getragenheit aufgeführt. Leider musste Heinrich Joseph Baermanns Adagio für Klarinette und Streichorchester op. 23 wegen Erkrankung der Solistin entfallen; Baermann, der mit Mendelssohn befreundet war, ist übrigens heute vor allem wegen seiner Klarinettenmethodik bekannt.

Ein ebenso guter Wurf in der Werkwahl war Benjamin Brittens viersätzige Simple Symphony von 1934, die solide dargeboten wurde, der aber ein Quentchen mehr Schwung gut getan hätte, denn es handelt sich ja auch um ein rhythmisch besonders prägnantes Orchesterwerk. Mit warmem Melos sang Elisabeth Lebedeva die Sopransolopartie in Gabriel Faurés „Pie Jesu“ zum Abschluss. Sehr gelungen auch im festlichen Ambiente mit großem Lichterbaum die Aufforderung an das Publikum, drei Strophen des Choral Tochter Zion von Händel mitzusingen …

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.