„Satan würde sich totlachen“: Interview mit GHOST

Ihr wart jahrelang anonym und seid es im Prinzip immer noch, lediglich eure Fans wissen vereinzelt, wer ihr seid – macht es dir manchmal sogar Angst, dich ohne deine Verkleidung zu zeigen?

Nicht direkt. Denn ganz ehrlich, jeder Mensch, der ein Instrument auf der Bühne spielt, hat einen gewissen Hang zur öffentlichen Präsentation und natürlich möchte man auch etwas Anerkennung für das, was man täglich tut. Und da wir ja stets zwischen diesem Öffentlichen und Anonymen wechseln, würde ich sagen, kriegen wir genau das richtige Maß an Aufmerksamkeit, nicht zu viel, nicht zu wenig.

Eure letzte EP war ein Phänomen für sich – eine Sammlung an Covern von Popbands wie Abba! Ihr seid schon immer gegen den Strom geschwommen, wart ihr nicht dennoch etwas besorgt, eine solche Zusammenstellung auf die Metalszene loszulassen? Die ist ja ganz gern mal engstirnig.

Wir tanzen immer auf der Linie zwischen „Ist uns egal, was alle denken“ und „Wir möchten die Wünsche der Fans erfüllen“. Es ist wichtig, die allgemeine Meinung der Leute über deine Musik zu kennen, aber genauso wichtig, sich davon nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen. Wir haben keine Angst davor, Menschen zu missfallen, weil wir schließlich an das glauben, was wir tun und es auch gut finden. Andererseits muss man dazu sagen, dass wir die EP nicht als unsere neue Scheibe ansehen. Es ist ein kleiner Zwischenschritt, ein Bonus, den man aber auch nicht komplett ernst nehmen sollte. Und wenn die Fans Angst haben, dass wir uns geändert haben, kann ich sie nur beruhigen und sagen, dass das nicht unsere „neue Platte“ ist, sondern das nächste richtige Album wesentlich mehr ihren Vorstellungen entsprechen wird.

Unverkennbar: Papa Emeritus II von Ghost (Foto: Anne Swallow)

Unverkennbar: Papa Emeritus II von Ghost (Foto: Anne Swallow)

Hehe, da muss ich trotzdem nachhaken: Es gab kürzlich Gerüchte, dass Abba sich für ein paar wenige Reunion Shows wieder zusammenschließen würden – könntet ihr euch nicht vorstellen, gemeinsame Sache zu machen?

Wenn sie Lust hätten – na klar! Ghost supporten Abba, Mann, das wäre der Event des Jahres! Satan würde sich totlachen.

Eure Band wird immer erfolgreicher und ihr spielt auf immer größeren Bühnen – plant ihr denn auch eure theatralische Show noch spektakulärer werden zu lassen, als sie eh schon ist? Ich meine in Hinsicht auf Pyroeffekte oder ähnliches?

Sicher – wir versuchen ja jetzt schon mit allen verfügbaren Mittel eine große Rockshow auf die Bühne zu bringen, dennoch sind es bisher nur Fragmente von dem, was wir später mal zu präsentieren gedenken. Natürlich soll die spontane Seite eines Live-Konzerts nicht untergehen, dennoch wollen wir eines Tages ein regelrechtes Theaterevent präsentieren. Aber natürlich muss das Ganze auch ein Wachstumsprozess sein, alle verrückten Ideen sofort zu verballern wäre ja schade.

Auf jeden Fall! Wie lange braucht ihreigentlich  jeden Abend um euch für die Show fertig zu machen, besonders in Hinsicht auf das Anlegen eurer Kostüme?

Ach, gar nicht lange. Fünfzehn Minuten vielleicht.

Das geht so schnell?!

Naja, wir Ghouls haben da keine großen Probleme, lediglich Papa braucht ein bisschen länger.

Okay, letzte Frage: Glaubst du an Geister?

Ja, tue ich.

Wirklich? Hast du schon einen getroffen?

Ich… glaube schon. Ich würde dir gern die Geschichte erzählen, aber sie ist zu lang und kompliziert und die Zeit reicht nicht mehr aus, aber wie bereits gesagt, ich glaube an übernatürliche Dinge und ein gewisses Leben nach dem Tod. Und denke, das ich das auch schon gesehen habe…

In Sachen „Cliffhanger“ sind Ghost also ganz große Klasse. Verdammt gern hätten wir noch mehr über die ghoulischen Abenteuer erfahren, aber der Klerus musste leider weiterziehen – doch nicht ohne uns bei der Verabschiedung noch zu verraten, dass sie im Frühling zurück nach Deutschland kommen wollen. Als absolutes Monsterhighlight wird es Ghost übrigens auf der einzigen Headlinertour von Metallica in Deutschland als Bonus geben – denn neben Slayer und Mastodon werden sie im Juni Vorband sein.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.