„Emmy“ für The Returned

Untote beleben Video-On-Demand-Anbieter

Der in Deutschland unterschwellig entbrannte Kampf um die Pole-Position im Pay-TV / Video-On-Demand-Sektor treibt seltsame Blüten. So offeriert der Anbieter „Watchever“ ab sofort exklusiv eine inzwischen mit dem „International Emmy Award“ ausgezeichnete Mystery-Serie an, bewirbt sie mit irritierender Außenwerbung und baut darauf, mit The Returned („Les Revenants“) viele neue Kunden anzufixen. Die erste Episode gibt es für umme, danach geht es ans Abonnieren. Ein kluger, wenn nicht gar wegweisender Marketing-Schachzug, denn einmal in den Sog der Handlung geraten, erwächst aus dem Bedürfnis nach Vertiefung eine innere Pflicht, es gibt kein Entrinnen.

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Exklusiv auf Watchever: The Returned (Watchever)

Exklusiv auf Watchever: The Returned (Watchever)

Die auf acht Episoden ausgelegte erste Staffel der französischen Ausnahmeserie bleibt bei Weitem nicht nur hinsichtlich ihrer Vermarktung bemerkenswert. Indem sie das Zombie-Sujet auf neuartige Weise aufforstet gelingt es ihr, existenzielle Verstörung und verzweifelte Lebensunlust auf den Bildschirm zu überragen. Entschieden gegen den Mainstream gebürstet entsteht ein nach außen hin hermetisch geschlossener und in sich schlüssiger (wenn sicher auch nicht als „real“ verifizierbarer) Mikrokosmos, in dem Trauer, Wahnsinn und Todesangst ein unerbittliches Regiment führen.

Mehr oder weniger jung Verstorbene kehren äußerlich unverändert an ihren Heimatort, eine scheinbar isolierte Kleinstadt am Berghang, zurück, um dort ihre noch lebenden Hinterbliebenen aufzusuchen. Dass die Wiedergänger, die selbst erst noch verstehen müssen, was mit ihnen geschehen ist, für Bestürzung, Fassungslosigkeit und völlige Überforderung sorgen, überrascht nicht. Vielmehr überrascht die radikale Stringenz, mit der Serienschöpfer Fabrice Gobert sein Totenreich im Diesseits errichtet.

Tot und lebendig: Les Revenants (Haut et Court TV)

Tot und lebendig: Les Revenants (Haut et Court TV)

Nichts lockert die zunehmend entropisch-klaustrophobe Atmosphäre auf, die Lebenden lernen die Toten zu beneiden. Sämtliche Protagonisten, ob tot oder nicht, bleiben ungebrochen unsympathisch: die Frauen verhärmt, die Männer verdorben, die Kinder grauenerregend altklug. Hier gibt es weder etwas zum Lachen, noch eine positiv herausstechende Kontrastfigur. Dafür Schicksalsschläge, Verwerfungen und Traumatisierungen en masse, derweil der Wasserstand der arrondierten Talsperre auf unerklärliche Weise sinkt und ein sinisterer Sektenführer sich für das Jüngste Gericht rüstet.

Die Produktionsgesellschaft „Haut et Court“ und „Watchever“ als Vermarkter (laut eigener Angabe täglich 5.000 Neukunden) sind zu The Returned ebenso zu beglückwünschen wie die Post Rock Band Mogwai, die zum wiederholten Mal einen hervorragenden Soundtrack geschaffen hat. Im kommenden Frühjahr beginnen die Dreharbeiten zur zweiten Staffel, angeblich ist selbst den Schauspielen der weitere Verlauf des Plots noch nicht bekannt.

http://www.youtube.com/watch?v=X8Z2GfXqYXc

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