Stephans stramme Saiten

Meine schönsten Metten – die Weihnachtskolumne

Top auf Malta im Sommer 97 (secondhandlps.de)

Top auf Malta im Sommer 97 (secondhandlps.de)

Ad 2: 1987. Ein Englisch-Leistungskurs feiert sich selbst auf Malta. Die Bierbuden beklatschen Rekordumsätze, in den Discotheken sind Stock Aitken Waterman (Rick Astley, Samantha Fox) schwerstens angesagt, die Mädels bevorzugen indes Sade oder Matt Bianco („Half a minute“) zu Sonnenbad und Cocktail-Hour.
Was konnte da noch helfen, für Ausgleich sorgen? Selbstverständlich nur das auf Tape gezogene Album „James Last Christmas Dancing 74“. Bis zum Anschlag aufgedreht verschafften Hansis unverschämt flotte Versionen von „Kling Glöckchen Klingelingeling“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und anderer mehr ausreichend Platz am Strand der Mellieha-Bay. Weder zuvor noch danach wurde dem saisonal relevanten Songwriting lustvoller gehuldigt als an jenen Tagen, die James Last wie zuvor Paulus auf Malta stranden ließen. Und allen Anwesenden, ja selbst den Fleihenden fiel es wie Schuppen von den Flechten: Weihnacht ist immer.

Ad 3: 1999. In Kölner Kulturkreisen war es Sitte, am Heiligen Abend einen Unheiligen Mittag zu begehen. Grillend unter der Südbrücke aufs Christkind warten, mit Grillgut, Glühwein und – Musik. Doch wenige Tage vor dem Weltuntergang geschah das zunächst Unfassbare.

Heiland - Erretter aus Wales (s-curverecords.com)

Heiland – Erretter aus Wales (s-curverecords.com)

Der für den Ghetto-Blaster (JVC-Wurst) Zuständige (ich) hatte es versäumt, zugleich auch für die abzuspielenden CDs zu sorgen. Da ward guter Rat exorbitant teuer, im Radio lief nichts Brauchbares, und selbst das nur unter enervierendem Rauschen. Die Angelegenheit drohte zu kippen, was wäre denn auch ein Unheilig Mittag ohne Mucke. Zur Rettung trat ein Gast auf den Plan, der da meinte: „Sorry, aber ich habe nur eine CD im Auto, ich hole sie mal herbei“. Und so wurde rauf und runter, im Duft des weihnachtlichen Rheines und verbrannter Garnelen-Spieße, Tom Jones vernommen. Tom Jones. Seitdem erscheint allen Beteiligten die Mutter Gottes gar anders, der Titel des Gottvaters geht weiterhin nach Wales.
Wenn ich also eine Kompaktanlage mit James Last und Tom Jones in Verbindung setze … so bleibt mir nur ein „Frohes Weihnachten“ für alle Leser. Und noch mehr Musik (als Geleit, von mir aus Requiem, für die diesjährige Gans habe ich etwas von Shostakovich ausgewählt).

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