Laut, lauter, Liebe

Konzertbericht: Placebo in der Hamburger O2 World

Sturm-Warnung in Hamburg? Es ist wohl eher ein Sturm der Begeisterung, den Placebo mit ihrer Musik auslösen und der rund 7500 Fans am Abend des 5. Dezmebers dazu bringt, trotz Unwetterwarnung den Weg in die O2 Arena in Hamburg-Stellingen aufzunehmen. Ausverkauft ist die Halle damit längst nicht, doch die Folge – eingefleischte Fans mit viel Platz und Bewegungsfreiheit für Ausdruckstanz – ist ja keineswegs übel.

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Placebo lösten mit ihrem Konzert in Hamburg einen Sturm der Begeisterung aus. Foto: Florian Sauer.

Placebo lösten mit ihrem Konzert in Hamburg einen Sturm der Begeisterung aus.
Foto: Florian Sauer.

Pünktlich um acht Uhr betritt die Vorband, vier Jungs und ein Mädel, die Bühne. Leider handelt es sich bei den Fünf, die auch versäumen, sich namentlich beim Publikum vorzustellen, lediglich um einen billigen Arctic Monkeys-Abklatsch. Google-Recherche verrät, dass wir es bei der jungen Truppe mit Toy aus London zu tun haben. Nur eines muss man Toy lassen: Trotz der eher einschläfernden Performance wissen sie ihre Instrumente zu bedienen und begeistern hiermit zumindest kurz in der Solo-Phase.

Die Herren Placebo lassen nach Ende der Vorband-Schmach indes einige Zeit auf sich warten. Als sie endlich auf der Bildfläche erscheinen, ist die Stimmung aber von der ersten Sekunde an am Siedepunkt. Schon bei „B3“, dem ersten Song der Setlist, tobt die Menge. Bei der zweiten Nummer, „For What It’s Worth“ vom sechsten Studioalbum „Battle For The Sun“, animiert Brian Molko sogar zum Mitklatschen. Eigentlich wäre dies bei dem Elan des Publikums aber gar nicht nötig. Spätestens bei „Loud Like Love“ muss man einmal anerkennen, dass die Akustik an diesem Abend hervorragend ist – ein nicht immer gegebener Umstand bei Großkonzerten.

In der ersten Konzerthälfte dominieren die Songs vom neuen Album – nicht umsonst befinden sich die drei Mittvierziger auf ihrer „Loud Like Love“-Tournee. Nur der vierte Song, einer der besten Indie-Songs der Neunziger überhaupt, „Every You Every Me“, bietet ein wenig Abwechslung und ist auch den wenigen Placebo-fremden Anwesenden ein Mitsingbegriff. Bei „Scene Of The Crime“ kommen erstmals aufwendige Licht-Installationen zum Einsatz und plötzlich spielen die Weltmeister der depressiven Gitarren-Musik hinter einer heruntergelassenen Kunstwand, die das Publikum im Laufe der Show noch mehrmals von der Band trennt. Ähnlich wie das irritierend bunte Cover des „Loud Like Love“-Albums wird auch die Bühne immer wieder in ein kunterbuntes Farbenmeer verwandelt.

Molko zeigt sich – wie auch der Rest der Band – während des gesamten Konzerts wortkarg. Viel mehr scheint er eine diabolische Freude dabei zu empfinden, sich empört über den „kargen“ Beifall zu zeigen, der dann doch immer noch ein Stück ansteigt. Mit „Song To Say Goodbye“ wird nach rund eineinhalb Stunden plötzlich die Hitkette losgelassen. Für ein „Goodbye“ wäre es auch in der Tat noch zu früh – denn nun hauen die Londoner Klassiker wie „Special K“ und „See You At The Bitter End“ raus. Das bittere Ende eines genialen Konzerts steht dann aber doch bevor: Placebo verabschieden sich rasch und kehren wenige Minuten später für eine fulminante Zugabe zurück auf die Bühne, in der sie vier beliebte Songs zum Besten geben und dem mittlerweile gut durchtanzten Publikum erneut jede Menge Energie abverlangen.

Man kann Placebo sicherlich vorwerfen, einen Imagewechsel von den Böse Jungs-Rockern hin zu gesellschaftskritischen Schwiegermama-Lieblingen vollzogen zu haben, aber eines kann keiner bestreiten: Placebo ist und bleibt eine herausragende Live-Band. Dafür muss man sie lieben!

 

Setlist:
1. B3
2. For What It’s Worth
3. Loud Like Love
4. Twenty Years
5. Every Me, Every You
6. Too Many Friends
7. Scene Of The Crime
8. A Million Little Pieces
9. Speak In Tongues
10. Rock The Bank
11. Purify
12. Space Monkey
13. Blind
14. Exit Wounds
15. Meds
16. Song To Say Goodbye
17. Special K
18. See You At The Bitter End

Zugabe
Teenage Angst
Running Up That Hill
Post Blue
Infra-red

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!