Weltverbesserer unter sich

Wie ein Fish im Wasser – Ex-Marillion Frontmann im Interview

Was fragt man einen Weltstar? Erinnert Ihr Euch? Kaleigh? Misplaced Childhood? Die Rede ist von Marillion und damit eigentlich von Fish. Und ich bekomme ein einstündiges Telefon-Interview! Wow. WOW! Und dann … ??? Was um Gotteswillen soll ich fragen?
Na ja, zu allererst wohl, was Fish eigentlich mit deutschem Fußball verbindet. Und mit Deutschland überhaupt. Was ihn zum Schotten macht (außer dem Gefühl für geile Dudelsackrhythmen) und warum er auf seinem neuen Album so sauber klingt. Was ihm seine Fans, die Fishheads bedeuten und auch … ja, auch, warum ich ihn so gut verstehe und ob ich die Metaphorik seines Albums richtig verstanden habe. Zur Erklärung – irgendwie hat mich die Musik von Marillion und später von Fish schon immer tiefer berührt. Klingt kitschig, oder?

Okay, okay, das Telefon hat geklingelt. Mein Herz rast. „Hello, Anja, this is Fish!“ und was sage ich ???: „Wow! I couldn’t believe it. It’s such a pleasure“ und werde rot. Worauf ein Schwall breitestes Schotten-Englisch folgt, der vermutlich soviel heißt wie: Für mich auch.
„Well …, erm… what I would like to ask …“ Habe ich mich nicht tagelang auf dieses Interview vorbereitet? Zettel … Zettel …wo? da… Bahnhof? Möhrensalat? Ägypten? Fußball!

Anja: Hast du meinen Bericht über dich im KFC Trikot gelesen? Wie kommt es denn dazu dass du ausgerechnet der Fan einer deutschen Fußballmannschaft bist. Und überhaupt Fussballfan
Fish: Ja, habe ich. Und vielen Dank dafür! Fußball … na ja, das ist eine lange Geschichte. Du weisst ja vielleicht, dass ich echt groß bin. Und ich fand Fußball schon immer einen total tollen Sport. Wenn du so ein Riese bist, heisst das aber da, wo ich herkomme, dass es nur einen Sport für dich gibt. Rugby.
Anja: Oh Gott – ich liebe ballsprot, aber ich habe die Regeln nie verstanden
Fish (lacht): Ich auch nicht! Und ich habs jahrelang spielen müssen. Aber schlussendlich war ich eben immer Fussballfan. Ich habe wegen meiner ersten Frau ja immer mit Deutschland zu tun gehabt. Und ich fand den deutschen Fussball immer schon toll. Ihr macht immer so ein Fass auf im Stadion, Gesänge, Anfeuern, die Leute gehen so mit und halten so fest zu ihrer Mannschaft. Das ist in Schottland ganz anders.
Nun bin ich ja mit Simone zusammen, die in Karlsruhe lebt. Wir wollten am Wochenende etwas mit ihrem Sohn unternehmen und beschlossen zum KSC-Spiel zu gehen. Und so hat das angefangen. Ich liebe es.

Anja: Dann verbringst du viel Zeit in Deutschland. Oder?
Fish: Klar. Ich lebe ein Drittel des Jahres in Schottland, ein Drittel bin ich auf Tour und ein Drittel in Karlsruhe. Ich genieße das.

Anja:Soweit ich weiß, sind von deinen Fans die Fishheads aus deutschland auch die treuesten. Es ist doch irre, dass sie sich so zusammengefunden haben zu dieser ganz engen Art von Fanclub. Ich habe gesehen, dass du wirklich oft mit ihnen im Dialog bist.
Fish: Das stimmt! Ich versuche die Fishheads immer auf dem Laufenden zu halten. Ohne sie hätte ich meine Krise nie überstanden.

Was war das für eine Krise? Oder darf ich nicht fragen?
Fish: Doch, doch, klar! Das war wirklich die schlimmste Zeit meines Lebens. Dazu solltest du wissen, dass 2009 festgestellt wurde, dass ich eine Zyste am Stimmband hatte.
Anja: Am Stimmband? Oh Gott.
Fish: Ja – das war eine Katastrophe, wirklich. Es musste operiert werden und ich hatte einen Höllenangst. Ich wusste natürlich nicht, ob ich wieder singen kann. Und gleichzeitig hat mich dann auch meine zweite Frau verlassen.
Anja: Oh Mann – das ist hart.
Fish: Ja, war es! Ich war völlig am Boden. Ich kann dir nicht beschreiben, was das für ein Gefühl war. Ich fühlte mich unglaublich nutzlos. Meine Stimme ist mein Arbeitsgerät, ein Instrument, ohne sie …
Anja: Kann ich mir vorstellen: Für einen Künstler ist das sicher, als würde er amputiert. Ich nehme an, du fühltest dich völlig hilflos. Es folgte noch eine zweite OP und schließlich kam meine Stimme langsam zurück. Wegen der Fishheads: Sie haben mir soviel Mut und Kraft gegeben in dieser Phase, sie haben so fest an mich geglaubt, das war toll. Ich erholte mich, lernte Simone kennen und das Ergebnis von allem war das neue Album: Feast of consequences. Ich wollte mitteilen, was ich aus meinem Leben gelernt habe.
Anja: Was du auch machst es gibt Konsequenzen?
Fish: Ja, so in etwa.
Anja: Ich hoffe, ich darf dazu etwas sagen?
Fish: Klar!
Anja: Erstens dachte ich, als ich das Album gehört habe – Wow! Hatte Fish nochmal Gesangsstunden? Er klingt endlich so, wie ich immer dachte, dass er klingen muss. Du singst wirklich sauberer und schöner als je zuvor! Ganz ehrlich! Und zweitens: Ich hoffe, ich liege richtig. Ich hatte das Gefühl, als wäre es ein geschlossener Kreis, als ich „Feast of Consequences“ gehört habe.

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Über Anja Thieme

Anja Thieme lebt in Ost-Westfalen/Lippe und arbeitet seit über 10 Jahren als freie Autorin und Journalistin. Mit der Arbeit für amusio.com verbindet sie ihre große Leidenschaft für Musik mit ihrem Beruf.