Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“ im Kasseler Staatstheater

Eine Entdeckung für die Opernbühne

Mit der gestrigen Premiere im Kasseler Opernhaus konnte das Team um die Regisseurin Katharina Thoma und den Dirigenten Jörg Halubek eindrucksvoll beweisen, dass sich Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“ bestens für die Adaption auf der Opernbühne eignet. Damit gelang es, einen wahren Schatz barocker Klangpracht und dramatischer Schlagkraft für das Kasseler Opernpublikum zugänglich zu machen, zumal Thomas intelligente Regie unaufdringlich Parallelen des biblischen Stoffes zur heutigen Welt aufzeigte.

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Ani Yorentz (Michal), Yuriy Mynenko (David) und Damen und Herren des Opernchores (Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel, Pressebilder)

Ani Yorentz (Michal), Yuriy Mynenko (David) und Damen und Herren des Opernchores
(Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel, Pressebilder)

Eine wichtige Säule dieses Erfolgs ist die Arbeit des Alte-Musik-Spezialisten Halubek, der als Gastdirigent mit dem Kasseler Orchester arbeitete. Es war erstaunlich zu erleben, welche klangliche Wandlungsfähigkeit dieses Orchester besitzt. Schon in der Ouvertüre bestach der schlanke, durchsichtige Klang. Unter der kundigen Leitung Halubeks musizierte das Orchester beschwingt und präzise und bewies so, dass es auch auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis Einiges zu leisten vermag.

Wie bei einem Oratorium nicht anders zu erwarten, war der Chor die zweite tragende Säule des Abends. Von Marco Zeiser Celesti in gewohnt zuverlässiger Weise einstudiert, vermochte er es, zahlreiche Glanzpunkte zu setzen, so z.B. mit dem bewegenden Chor „Mourn Israel“ im dritten Akt.

Ein weiterer Star des Abends war der Countertenor Yuriy Mynenko, der einen begeisternden David sang. Seine schöne Stimme trug dazu ebenso bei wie seine technische Brillanz und seine natürliche, unaufgeregte Anlage der Figur des David. Eine kongeniale Partnerin fand Mynenko in Ani Yorentz, die die Partie der Michal sang. Das Duett der beiden im zweiten Akt wurde zu einer musikalischen Sternstunde. Großartig gelang Yorentz auch die Szene im zweiten Akt, in der sie Sauls Diener Doeg regelrecht fertigmachte.

Auch in diesem Barockoratorium zeigte sich die hohe Qualität des Kasseler Ensembles. Besonders Musa Nkuna konnte als Jonathan glänzen. Mit seinem schönen, warmen Tenor gelang ihm ein gefühlvoller und sympathischer Jonathan, dem man seine aufrichtige Freundschaft zu David jederzeit abnahm. Jaclyn Bermudez überzeugte als Merab. War ihr schon die affektierte Haltung der Königstochter im ersten Akt glänzend geglückt, so konnte sie auch deren Gesinnungswandel glaubwürdig vermitteln. Sehr bewegend gelang ihr die entsprechende Arie am Ende des zweiten Akts, die vom Publikum auch mit Szenenapplaus bedacht wurde.

Als Hohepriester lenkte Johannes An das Geschehen und beeindruckte überdies als Hexe von Endor. Der Geist Samuels und Doeg waren bei Hee Saup Yoon ebenso in guten Händen wie der Amalekiter bei Seong Ho Kim, einem Mitglied des Opernchors. Marc-Olivier Oetterli schließlich verstand es, die Titelfigur des Saul musikalisch und szenisch überzeugend zu verkörpern.

Katharina Thomas Regiekonzept machte deutlich, dass Saul im Grunde eine tragishe Figur ist. Überhaupt vermochte sie mit ihrer intelligenten Personenregie die alttestamentarische Geschichte spannend zu erzählen. Ein Mittel dabei waren pantomimische Interaktionen derjenigen Figuren, die gerade nicht sangen. Auf diese Weise konnten die Bezüge der Charaktere untereinander sehr nachvollziehbar gezeichnet werden. An manchen Stellen, so etwa bei der Betonung der vollzogenen Hochzeitsnacht, war das zwar etwas zu dick aufgetragen, aber das minderte keineswegs den überzeugenden Gesamteindruck.

Zu diesem trugen das wohltuend einfache aber sehr effektive Bühnenbild von Sibylle Pfeiffer und die sehr gelungenen Kostüme von Irina Bartels entscheidend bei. Im Zusammenspiel dieser Theaterkünste schienen überzeitliche Bezüge auch ohne aufdringliche Aktualisierung einleuchtend auf. Alles in allem also wieder eine Aufführung des Kasseler Staatstheaters, die ihre Zuschauer mit einem inneren Gewinn in den Abend entließ. Das Premieenpublikum dankte des Akteuren mit stürmischem Applaus.

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