Die dänische Oper im frühen 18. Jahrhundert

Launige Mythen und Alltagskomik

Intermezzi und komische Opern

Zu Bredals populären Intermezzi zählen Der Eremit. Ein neues musikalisches Hirtenspiel (1757) und Der unentschlossene Hirte oder die waghalsige Probe (1758), die beide im Komödienhaus in Kongens Nytorv gegeben wurden. Die 1750er Jahre stehen teils wohl für einen gewissen künstlerischen Niedergang der Oper, was Bredal am Inhalt mancher Arien verdeutlicht, aber auch an festgefahrenen musikalischen Klischees, die im Falle der an heiteren Stoffen orientierten Libretti sicherlich gekoppelt sind mit gewissen überstrapazierten literarischen Konventionen in der seit langem rezipierten Typenkomödie französischer Prägung. Eine Änderung tritt unter anderem erst mit Thielos Singspiel Der eingebildete und bekehrte Philosoph (1758) ein, einem der zahlreichen Intermezzi, in denen der Theaterdichter den Versreim aufgab, während noch in seine Buffo-Oper Der Spion. Ein Wochenblatt (1758) gereimte Verse eingestreut sind. Beim eingebildeten Philosophen soll es sich laut seinem Urheber um das erste theatralische Stück gehandelt haben, das von ein- und demselben Autor gedichtet und vertont worden sei.

Im Zusammenhang mit Ludvig Holbergs Begründung des neuen dänischen Schauspiels und den Folgewirkungen ist das Augenmerk auch auf die Stellung des Theaters im Musiktheater des 18. Jahrhunderts zu richten: In seinem musiktheoretischen Werk übergeht Carl August Thielo beinahe verächtlich Tänze als reine Angelegenheit des einfachen Mannes, in seinen nur sieben Jahre später erschienenen Musikalischen Galanteriestücken (1753) hingegen fächert er neben Klavierstücken, Arien und Duetten ein ganzes Panorama verschiedener Tänze wie Menuette, Anglaisen und Kontratänze auf, was auf eine pragmatische Aussöhnung mit den Verhältnissen hinweisen könnte.

Die italienischen Komponisten am Hof, vor allem Giuseppe Sarti und Francesco Uttini als Kapellmeister Mingottis in den Jahren 1753 und 1754 sowie Baldassare Galuppi behielten indes die unangefochtene Vormachtstellung an der Oper, die Bredal mit seinen dänischen Libretti nur zu imitieren vermochte, während er die Musik der Italiener für seine dänischen Texte „entlehnte“ … Wer sich übrigens für Giuseppe Sartis Werke aus dieser Zeit interessiert, sollte sich zum Beispiel seine damals beliebte Oper Giulio Sabino anhören (Bongiovanni, Best.-Nr. B00004W1GR).

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.