Aus Süd- und Nordkorea

Von der Hof- zur Wave Musik

Da Musikethnologen heute davon ausgehen, dass der imperiale Einfluss Chinas im ostasiatischen Raum die Musikkulturen Japans und Koreas deutlich mitbestimmt hat, werden die drei Länder meist im Zusammenhang behandelt, obwohl es deutliche Unterschiede gibt, etwa in der spezifisch koreanischen Trennung von der aus China übernommenen Hofmusik, tangak – die dort prinzipiell bereits um 1000 v.Chr. existierte – und der rituellen konfuzianischen Musik, aak, die ebenfalls am Hof erklang. Wichtige Instrumente waren in der Praxis die Zither, die Mundorgel, eine bestimmte Oboenart und die Querflöte.

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Aufführung traditioneller festlicher Musik in Südkorea(hojusaram)

Aufführung traditioneller festlicher Musik in Südkorea(hojusaram)

Aus China wurde das System aus 12 Halbtönen, aus denen pentatonische Leitern gebaut werden, übernommen. Auch das modale Konzept mit variabler Tempoausführung galt seit der frühen Neuzeit in allen drei Musikkulturen. Gegenüber dem chinesischen Zweiermetrum setzte sich in Korea ein Dreiermetrum zusammen mit kombinierten Taktarten, changdan, durch. Modernisierungsprozesse und politische Spaltungen sorgen seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch für eine Differenzierung: Tradierte Musik im kommunistischen Nordkorea klingt heute natürlich anders als im industriell geprägten Südkorea. Gerade in Ostasien übte die eingeführte Popmusik im 20. Jahrhundert großen Einfluss auf klassische Gattungen und Stile aus. MTV Asia krempelte auch den populären Sektor gründlich um: Seit 1999 sorgte die Korean Wave Music über Ostasien (weit) hinaus für Aufsehen.

Die „Koreanische Welle“ als Trend, der auch K-Dramen und Seifenopern seit Beginn des 21. Jahrhunderts umfasst, ist mittlerweile nicht nur auf China, sondern sogar auf Nordamerika übergeschwappt. Im Hollywood Bowl findet alljährlich ein südkoreanisches Musikfestival statt. Der enorme Export der relativ neuartigen spezifischen Popkultur erklärt sich wohl aus dem Schrumpfen des einheimischen Musikmarkt in Südkorea. Ein bekannter Exponent in der Musikszene, die durch CD und DVD rasante Verbreitung findet, ist zum Beispiel der 1982 in Seoul geborene Sänger Rain, mit bürgerlichem Namen Jung Ji-hoon, der R&B und Hiphop zu einer eigenen „koreanischen“ Stilvariante entwickelte: Zum Hineinhören sei die CD Eternal Rain (2006, ASIN B000GDI57G) empfohlen.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.