Auf die Plätze, fertig, los!

„Timescratch“ live im Leipziger Täubchenthal

Freitag, der 24. Januar 2014, 23:30 Uhr: Es ist unendlich kalt draußen. Eben noch hatten sich ein paar junge Leipziger einen Youtube-Auszug des brandaktuellen TV-Streits zwischen Sahra Wagenknecht und Markus Lanz angeschaut.

Anlässlich eines bevorstehenden Geburtstages rafft sich die mittlerweile leicht schläfrig gewordene Masse dennoch zum Besuch des um die Ecke gelegenen, aber noch nie besuchten Clubs „Täubchenthal“ auf. Ich wusste nur, dass Jan Böhmermann mit seiner „Lateline“ noch im Dezember letzten Jahres von dort für „EinsPlus“, den jungen Digitalkanal der ARD, gesendet hatte.

Voll in Fahrt: Timescratch live im Täubchenthal Leipzig am 24.01.2014

Voll in Fahrt: „Timescratch“ live im Leipziger Täubchenthal. (Quelle: Peter Geuze)

Ich vergaß, dass es, anders als bei Rock-Konzerten, im Electro-Techno-Dance-Bereich eher später losgeht. So warteten wir noch ca. eine anderthalb Stunde bis „Fuzz Galaxy Buzz“ die Bühne für den heiß ersehnten „Timescratch“ räumte. Da war es ca. 01:30 Uhr. Bis zu Beginn des Konzertes wusste ich nicht, ob „dieser DJ da jetzt das Vorprogramm für „Timescratch“ sei oder nicht?“.

Ein teilweise recht atziges Publikum bewegt sich schon nach den ersten Takten in Raver-Manier zu den ballernden 8-Bit-Beats und fordert erstaunlicherweise recht früh und lautstark den Einsatz der „Jitarre!“

Gitarren-Game-Boy „Timescratch“, der sich den störrischen Sechssaiter nur noch umhängt, wenn er richtig in Fahrt gekommen ist, greift jedoch schon nach den ersten zwei oder drei Songs nach eben jenem Instrument.

Spätestens jetzt sind auch die Rocker unter uns hin und weg.

Der Ruf nach der Gitarre mutiert langsam zum Running-Gag des Abends und Benjamin Schmidt, wie „Timescratch“ mit bürgerlichem Namen heißt, gibt das Gerät bis zum Ende des Konzerts fast gar nicht mehr aus der Hand. Mit „Auf die Plätze, fertig, los!“ erklingt der für mich geilste Song des Sets.

Sympathische und unaufdringlich Ansagen versüßen einen spät begonnenen, aber dafür umso unterhaltsameren Abend.

Danke für dieses tolle Beispiel der mittlerweile leider recht abgekauten Floskel: „Best Of Both Worlds“!

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Über Peter Geuze

Lebt und arbeitet als Musiker, Musiklehrer und freiberuflicher Musikredakteur in Leipzig. Lieblingsthema ist rockige Gitarrenmusik, aber auch für andere Klänge hat er stets ein offenes Ohr.